Hollywood im Hunnenreich

Bochum, Schauspielhaus: Hebbel «Die Nibelungen»

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Vor dem eisernen Vorhang andächtig aufgereiht, eröffnen die Burgunder den Abend mit einer eingängigen Melodie. Ohrwurmhaft kehrt der Beginn des mittelalterlichen Nibelungenliedes wieder und wieder: «si wart ein scœne wîp». Bei der Kriemhild nimmt die Bochumer Inszenierung ihren Ausgang. Mit expressiver Körperlichkeit löst sich Jana Schulz alsbald aus der Gruppe und eilt die kolossale Rampe hinauf, die den Zuschauerraum in zwei Hälften teilt.

Von hier oben schleudert sie die einleitenden Worte des mittelalterlichen Epos, diesmal auf Hochdeutsch, zurück auf die Bühne, als wären der Beschreibung des «jungen Edelfräuleins» schon all die tragischen Ereignisse eingeschrieben, um die der letzte Teil der Hebbelschen Trilogie kreist.

Es ist gleich zu Beginn eine trauernde Kriemhild, buchstäblich in Sack und Asche: Verdreckt, in Lumpen und mit der Urne des ermordeten Siegfried im Arm, sucht sie den Ausweg aus der unliebsamen Heimat. Nur die Hochzeit mit Hunnenkönig Etzel (Matthias Redlhammer) ermöglicht ihr die Flucht: Sobald der eiserne Vorhang den Blick auf Etzels klassisch-düstere Empfangshalle freigibt, betritt Schulz sie als erste und wäscht ihrer Kriemhild mit bereitstehendem Wasser ...

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Theater heute November 2013
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Laura Strack

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