Historischer Materialismus: Das ist ein beinhartes Proteststück

Das Wiener Klassenkampf-Oratorium «Proletenpassion» feiert nach fast 40 Jahren ein fulminantes Comeback

Theater heute - Logo

Der Wiener Maler und Liedermacher Arik Brauer hat in den 70er Jahren einen seiner Dialektsongs mit dem schönen Satz «Das ist ein beinhartes Protestlied» eingeleitet, und es lässt sich heute nicht mehr sicher sagen, wie ironisch das gemeint war. Fünf Jahre später, im Mai 1976, hatte die «Proletenpassion» Premiere, und man kann sagen: Das war ein beinhartes Proteststück.



Obwohl: Eigentlich ist es gar kein Stück, sondern ein weltliches Oratorium, das in insgesamt 65 (!) Liedern die Geschichte des Klassenkampfs besingt; in fünf «Stationen» werden die Bauernkriege, die Französische Revolution, die Pariser Kommune, die Oktoberrevolution und der Faschismus abgehandelt – natürlich nach streng marxistischer Lehre. Geschichte wird von unten erzählt, politische Vorgänge werden konsequent durch die ökonomische Brille betrachtet.

Getextet hat die Lieder der Wiener Schriftsteller Heinz R. Unger, die Musik stammt von der Wiener Folkband Schmetterlinge. Die Uraufführung fand im Rahmen der von den Wiener Festwochen in einem alten Schlachthof veranstalteten Alternativreihe «Arena» statt (auch, als der Schlachthof ein paar Wochen später besetzt wurde, spielten die Schmetterlinge eine Hauptrolle); ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2015
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Wolfgang Kralicek

Weitere Beiträge
Impressum

Impressum

Theater heute
Die Theaterzeitschrift im 56. Jahrgang Gegründet

von Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

Herausgeber:

Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

Redaktion:

Eva Behrendt, Barbara Burckhardt, Franz Wille (V.i.S.d.P.)

Mitarbeit:

Martin Kraemer

Gestaltung:

Christian Henjes

Designkonzept:

Ludwig Wendt Art Direction

Redaktionsanschrift:
Nestorst...

München: Im Nebelregen

Vielinszenierer im besten Alter packt ab und an die Sehnsucht, mal alles ganz anders zu machen. So hat Stephan Kimmig seit einiger Zeit den Tanz als Ausdrucksform für seine Schauspielinszenierungen entdeckt, und umgekehrt rückte nun der notorische Körperspieler und Slapstick-Liebhaber Andreas Kriegenburg die gebundene Sprache ins Zentrum seiner neuesten Arbeit an...

Keine Angst vor niemand

Mangelnden Mut kann man Se­bastian Hartmann nach diesem Abend weiß Gott nicht vorwerfen. Er wagt sich wieder nach Frankfurt, wo er der Regisseur jenes «Massakerspiels» war, bei dem die hohe Spiralen schlagende Affäre mit dem Block begann. Es war und blieb lange seine einzige Frankfurter Inszenierung. Jetzt hat ihn Oliver Reese ein­geladen, hier «Die Dämonen» als...