Historische Kurzschlüsse
«Mehr Mut und Menschlichkeit!», ruft ein wackerer Jungrevoluzzer durchs Megafon und klatscht dazu in die Hände wie beim Flamenco-Kurs. Sein linker Kollege kämpft mit ähnlichem Körpereinsatz um «Mehr Spontaneität!». Und ein leidenschaftlicher Fan des interaktiven Theaters steuert aus der zweiten Reihe ein tief empfundenes «yeahyeahyeahyeah» bei. Was täuschend echt nach Urlauberanimation in einem Ferienclub auf Mallorca aussieht, ist de facto Nina Gühlstorffs und Dorothea Schroeders Mauerfall-Erinnerungsperformance «Der dritte Weg» in der Innenstadt von Jena.
Ausgehend von der Stadtkirche, wo sich im Herbst 1989 einheimische Oppositionelle versammelten, stellt der Abend den historischen Demonstrationszug als Spaziergang nach. Unterwegs, in der philosophischen Fakultät oder in einem russischen Feinkostladen, erzählen Theaterhaus-Schauspieler zunächst aufschlussreiche, von den Regisseurinnen vor Ort recherchierte DDR-Biografien: Ein ehemaliges SED-Mitglied freut sich über zaghaften innerparteilichen Widerstand. Ein Junge, der nicht in Margot Honeckers Bild von der «Freien Deutschen Jugend» passt, muss binnen vier Stunden die DDR verlassen. Und eine Mutter sucht nach der ...
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Eines steht fest: Der Verkehr reißt nicht ab.
Um von A nach B zu kommen, nehme ich ein Taxi.
Taxifahrer 1: Herr Wang (sehr dünn).
Taxifahrer 2: Herr Wang (mitteldick).
Taxifahrer 3: redet ohne Unterlass und freut sich ungemein. Worüber, erschließt sich nicht sofort. Erst nach einer Weile begreife ich: Er redet nicht etwa mit mir, dem Fahrgast, sondern mit dem...
Das Worst-Case-Szenario sieht in diesem Fall wie eine Mischung aus altmodischem TV- oder Rundfunkstudio, Kraftwerks-Kontrollraum und Raumschiff Enterprise aus. Die Schauspielerinnen und Schauspieler blicken uns durch ein in die hintere Wand der Bühne geschnittenes Panoramafenster an; sie haben große Kopfhörer auf und verschiedene bunt blinkende Lämpchen im Rücken....
Irgendwann wird die Wissenschaftlerin, die gerade von ihrer Arbeit in einem Moskauer Krebsforschungsinstitut kommt, von einem hysterischen Lachkrampf geschüttelt. Sie lege jetzt ein peinliches Geständnis ab, diktiert sie der belgischen Multimedia-Performancegruppe Berlin ins Mikrofon: Die Mittfünfzigerin geht jeden Abend nach Dienstschluss stundenlang putzen. Eine...
