«Hier stehe ich, ich kann nicht anders»
Es gibt diese Bemerkung von Furio Colombo aus Pasolinis letztem Interview: «Die Situation, die du ständig anprangerst, sie ist es letztlich, die dir erlaubt, Pasolini zu sein.» Man ist als Künstler auf den Widerstand angewiesen, an dem man sich reibt. Es ist unsere Aufgabe, die Grenzen der Kunst immer weiter auszudehnen: neue, noch unbekannte Akteure zu erfinden, utopische Räume zu öffnen, die Realität um das zu erweitern, was ihr fehlt, im Positiven wie im Negativen.
Es gibt kein Tribunal gegen globale Wirtschaftsverbrechen, also haben wir es mit dem «Kongo Tribunal» geschaffen – mitten im Bürgerkriegsgebiet. Wenn es dann zu Entführungen kommt, dann muss man das hinnehmen. In «Five Easy Pieces» dagegen geht es um eine Selbstbefragung des Theaters: Was geschieht, wenn wir Kinder dem Voyeurismus und der – sexualisierten – Gefühls- und Authentizitätsproduktion der Bühne auszusetzen? Wenn sich daraus eine Debatte über Nacktheit und Pädophilie entwickelt, muss man diese führen.
Die künstlerische Geste – und damit auch ihre potenzielle Grenzenlosigkeit – beruht auf zwei Legitimationen, die untereinander zusammenhängen. Denn was mir am postmodernen Aktivismus und an der Polit-Satire ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 52
von Milo Rau
Szene acht
Am nächsten Tag.
Derselbe Raum.
Bashir und Nick. An den Tischen. Nick erklärt. Bashir hört zu und reagiert. Computer
aufgeklappt vor ihm.
Nick Das Wichtigste am Geld ist, dass die Menschen es nicht gern verlieren, Bashir. Die Menschen, die Firmen, die Regierungen.
Also suchen sie immer nach einem sicheren Ort dafür. Siebzig Jahre lang war der sicherste...
Oft führt man Gespräche mit Kolleg*nnen und Freunden über die Frage, ob etwas Kunst ist, und wenn ja, darf es das? Selten führt man ein Gespräch mit jemanden wie Thomaspeter Goergen, der Dramaturg und Jurist zugleich ist.
Dieses Gespräch habe ich kürzlich mit ihm geführt, und wir kamen auf folgende Gedanken.
Der Jurist sagt, die Kunst ist frei, und hat...
Sein erstes Jahr im Ensemble des Deutschen Theaters Berlin, an das er direkt nach der Schauspielschule kam, war schon mal nicht schlecht. Neben kleineren und mittelgroßen Rollen bei Stephan Kimmig (Marie in «Clavigo», Lempereur in «Unterwerfung») oder Christopher Rüping (Benvolio in «Romeo und Julia») hatte Marcel Kohler in Daniela Löffners Inszenierung «Väter und...
