Helden gibt’s im Epos
Wie lässt sich die Ilias mit heutigen Kriegen verbinden? Über den Kriegsanlass wohl kaum: Selbst wenn man Michelle Obama oder Carla Bruni die Attraktivität einer schönen Helena
zusprechen würde, dürfte keiner der beiden staatenlenkenden Ehegatten wegen der Entführung seiner Frau sämtliche Verbündeten mobilisieren können für einen gnadenlosen Eroberungskrieg gegen den Entführer, gewissermaßen eine «Operation Enduring Marriage».
Die jüngste Stuttgarter Arbeit von Volker Lösch und seiner Dramaturgin Beate Seidel verknüpft eine Ilias-Adaption (nach der umgangssprachlichen Übersetzung von Raoul Schrott) mit Fakten zum Ifar-Einsatz in Afghanistan und Interview-Aussagen eines Bundeswehr-Veteranen: Wenn das eigentlich kriegsmüde griechische Heer sich vom demagogisch geschickten Odysseus wieder aufpeitschen lässt, wird direkt danach erzählt, wie sich Soldaten mit Kriegserfahrung zurück in diese Extremsituation sehnen. Wenn Agamemnon einen sich ergebenden Trojaner hinmetzelt, wird berichtet, wie ein
Vorgesetzter die Schändung der Leichen von Bombenattentätern kommentiert: «Ihr könnt sie auch anzünden, ist mir egal.» Und wenn nach der großen Schlacht Griechen und Trojaner ihre Gefallenen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 51
von Andreas Jüttner
An einem verregneten Sommerabend Ende der neunziger Jahre kehrte dieser heimatlose Odysseus nach München zurück – nicht an eines der beiden großen Bühnengestade dies- und jenseits der Maximilianstraße, an denen Heinz Bennent in den siebziger und achtziger Jahren der hellste und fernste Stern gewesen war: am Residenztheater als Ingmar Bergmans Andersen in Per Olov...
TH Die Nachricht von Ihrem Wechsel nach Stuttgart zur Spielzeit 2013/14 hat uns überrascht. Schließlich haben Sie erst vor zwei Jahren bis 2016 am Maxim Gorki Theater verlängert. Was sagt denn Klaus Wowereit zu Ihrer Entscheidung?
Armin Petras Er hat im Pluralis Majestatis gesagt: «Wir wünschen ihm alles Gute.» Ein großer Staatsmann. Da hat er mich wirklich...
Ein unzeitgemäßes Buch: Esther Slevogt blättert das Leben von Wolfgang Langhoff auf, eine der tragischeren Theaterbiografien des letzten Jahrhunderts. Langhoff hat seine bürgerliche Herkunft, seine Vergangenheit als Freikorpskämpfer und als dandyhafter Jungschauspieler an Louise Dumonts Düsseldorfer Schauspielhaus hinter sich lassend, den Kommunismus um 1930 in...
