Heilbronn: Hyperaktive Apathie
Den Segen für seine Unterwerfung holt sich François direkt bei Edith Piaf ab: «Je ne regrette rien» lässt er den Spatz von Paris trällern, während er über seine Zukunft in der islamischen Republik Frankreich sinniert, über seine Aussichten auf eine äußerst gut bezahlte Dozentenstelle an der Sorbonne und auf drei Ehefrauen, gipfelnd in seinem Fazit: «Ich hätte nichts zu bereuen.
» Axel Vornams Bühnenadaption und Inszenierung des vor drei Jahren erschienenen und heftig diskutierten Romans von Michel Houellebecq unterstreicht die satirischen Aspekte der Geschichte, die im Frankreich des Jahres 2022 spielt und sich darum dreht, dass ein Wahlsieg des Front National nur durch einen Zusammenschluss aller anderen Parteien zu verhindern ist – weshalb ein muslimischer Kandidat zum Präsident gewählt wird.
Die dadurch einsetzende Islamisierung Frankreichs ist einerseits ein literarisches Spiel mit kollektiven Ängsten in Westeuropa, andererseits sarkastische Kritik: Bei Houellebecq sind die ersten und eifrigsten Kollaborateure mit der neuen Regierung ausgerechnet die zuvor äußerst islamkritisch aufgetretenen Rechtsintellektuellen, die hier eine Chance sehen, ihre Vorstellungen von einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2018
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Andreas Jüttner
Ich traf ihn – Wilfried Minks – in Berlin, wenige Tage vor der Premiere zu Hochhuths «Soldaten», er machte dort das Bühnenbild. Man hatte munkeln gehört, dass der Autor nicht gerade entzückt gewesen sei, als er bei den Proben zum ersten Mal Minks’ Bühne sah, er hatte sich, man kann das auf vielen Seiten Szenen-Beschreibung in der Buchausgabe nachlesen, alles viel...
Es ist eine sympathische Geste der Residenztheaterleitung, für diejenigen, die sich von den zeitgeist-geschliffenen well-made Plays im Spielplan nicht so recht angesprochen fühlen, eine gegenläufige Programmseitenlinie zu verfolgen, die mit offenem Blick von außen und ganz unterschiedlichen, häufig osteuropäischen Regiehandschriften eigene Akzente setzt und dabei...
Pläne der Redaktion
Elfriede Jelineks «Am Königsweg» verbindet mit einer Doppel-Nominierung die jährlichen Best-of-Treffenin Berlin und Mülheim: die Erwählten im Überblick, Porträts, Gespräche und Gegenstimmen
Comedy-Queen Idil Baydar erklärt in Falk Richters Hamburger «Königsweg»-Inszenierung als selbsternannte «Problem-Ausländerin» und «Konzept-Migrantin»...
