Heidelberg: Drohnen drohen hinter Drohnen
«Man will doch nicht von einem Gerät umgebracht werden», poltert Peter Anders. Er muss es wissen, der Mann hat gedient. Sätze wie dieser, die schon in sich so komisch widersprüchlich sind, dass man sich wundert, dass am Ende der Punkt hält, gehen beim Lesen des erklärfreudigen Kampfroboter-Kammerspiels «Im Schatten kalter Sterne» von Christoph Nußbaumeder fast unter. Freigelegt und zugespitzt haben sie Regisseur Bernhard Mikeska und die Dramaturgin Maria Schneider.
Mit forschen Text-Strichen, Spaß an der Situationskomik und charmant eigenlogischen Regiesetzungen hat deren Uraufführung am Theater Heidelberg dem well-made play einiges an didaktischer Schwere genommen.
Im Zentrum des Dramas, das in Heidelberg in nur 75 Minuten über die Bühne rauscht, steht Wolfgang Anders. Dem brillanten Programmierer (und Sohn des eingangs zitierten Experten) ist es gelungen, die Konzepte Schwarmintelligenz und Künstliche Neuronale Netze (KNN) zu verknüpfen. Jetzt, nach der Übernahme seines Start-ups durch den Waffenbauer «Bimini Defence», entwickelt er sehr spezielle Kleinst-Kampfdrohnen. Sie treten im Schwarm auf, kommunizieren untereinander und entscheiden autonom und ohne schlechtes Gewissen, ...
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Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Cornelia Fiedler
Das Theater kann auch in den schlimmsten und bedrohlichsten Stunden des Lebens für ein Durchatmen gut sein. Fritz streift in den letzten Kriegstagen 1945 durch das zerbombte Berlin, desillusioniert, eigentlich will er mit dem ganzen Schlamassel nichts mehr zu tun haben: nur weg hier, hinaus zu den Seen, wo sein Boot auf ihn wartet, das ihm Schutz und Unsichtbarkeit...
Penelope sitzt in Ithaka und fragt sich, warum ihr Mann nicht nach Hause kommt. Schließlich ist der Krieg schon seit einiger Zeit vorbei. Von den vielen Möglichkeiten, die die Gattin des Odysseus in Gestalt von Karina Plachetka rampennah durchspielt, hält sie die letzte für die wahrscheinlichste: «Er will nicht zurückkommen», spricht sie tapfer ins Parkett...
Die mobile Drehbühne rotiert. Man kennt dieses mächtige Stillstands-Karussell schon aus Thorleifur Örn Arnarssons Hannoverscher Shakespeare-Auseinandersetzung: Anfang 2017 hatte Daniel Nerlich das riesige Ding zum Höhepunkt von Arnarssons «Hamlet»-Inszenierung ins Zentrum der Bühne geschleppt, und da dreht sie sich heute noch, mittlerweile als Kampfschauplatz von...
