Gute Unterhaltung
Wie von Geisterhand bewegen sich die Tasten der drei Cembali. Manuell gespielt wären sie gar nicht fähig, das irrwitzige Tempo, das Herbert Fritsch auf der Bühne des Wiener Burgtheaters entfacht, zu erzeugen. Atemlos hetzen sie die Tonleiter rauf und runter, spielen Tril-ler und Tremoli. Drei Cembali auf Speed. Und rund um sie herum, darunter und drüber (und manchmal auch im minutenlangen Infight mit ihnen), zwei Handvoll Personen, die noch ein paar Pillen mehr eingeworfen haben dürften.
«Ballettkomödie» hat Jean-Baptiste Poquelin, genannt Molière, seinen 1673 entstandenen Dreiakter «Der eingebildete Kranke» genannt. Eine in Vergessenheit geratene Gattungsbezeichnung, die das gesprochene Wort mit Musik-, Tanz- und Gesangseinlagen verbindet. Auf nichts von alledem muss man an diesem Abend verzichten. Und doch tönt und fiepst, jault und kreischt es, als ob nicht nur die Cembali per Midi-Signal ferngesteuert würden, sondern die gesamte Molièrsche Meute. Die Marionettenfäden hat Fritsch gekappt, die ruckenden, zuckenden Bewegungen, die wie Mondsicheln nach oben gebogenen Augenbrauen, die heraushängenden Zungen, die verrenkten Arme und die in die Luft gestreckten Ärsche aber sind ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Stefan Hilpold
Als Jack in der Wüste den Talibanskis gegenüber steht, bleibt ihm nur die Erinnerung an Annie Ocean – als Schwarz-Weiß-Bild leuchtet sie auf einem alten Röhrenfernseher, der zu Hause in der Wohnung ihres verstorbenen Vaters steht. Es ist der Fernseher, auf dem er sich immer seine alten Western-Videos angesehen hat. Und vor dem jetzt Annie Ocean auf dem Sofa liegt,...
«Wahrscheinlich trage ich eine furchtbare Schuld, aber meine Gedanken sind ganz durcheinander, meine Seele ist in Trägheit erstarrt, und ich habe nicht die Kraft, mich zu verstehen.» (Iwanow)
1. MEIN MANTRA
Ich bin ein Mensch, ich bin ein Mensch, ich bin schon erwachsen, ich bin schon erwachsen, ich bin okay, das ist mein Mantra, das ist mein Mantra, das ist...
Ivo Dimchev ist ein sanfter und wilder Künstlerteufel aus Bulgarien, der uns mit Sarkasmus, Schmerz, abgründig und komisch die Strukturen einer läppischen sozialen Verabredung um die Ohren haut und immer etwas weiter geht als die Erwartung. Als osteuropäische, nicht traditionelle Hure (wie er sich einmal nennt), holländisch geschult in postdramatischer Performance,...
