Großtat

Glass: Einstein on the Beach
Dortmund | Oper

Opernwelt - Logo

Siehe auch die Besprechung in Theater heute 6/2017.

Das Hirn hat Beine, damit es tanzen kann. Unablässig bewegt es sich zu den sich ständig wiederholenden Klangmotiven, kommt dabei nicht von der Stelle, ausgestellt und ganz für sich. Unter den vielen Bildern, die Kay Voges in seiner Deutung von «Einstein on the Beach» präsentiert, ist das tanzende Riesenhirn das zentrale. Darin stecken viele Grundgedanken dieses Stücks: die unablässige Bewegung, der Assoziationsreichtum, der Mut, eine eigene Welt zu behaupten. Aber es spiegelt auch die subtile Ironie, den Humor, mit dem Voges das Mammutwerk angeht.

Bisher galt die Uraufführungsinszenierung von Robert Wilson als unantastbar. Das gesamte Stück ging ja von den Impulsen und Bildern des texanischen Theatermachers aus; Philip Glass ließ sich beim Komponieren von ihnen anregen. Doch wie Wilsons viel gespieltes Grusical «The Black Rider» – und vielleicht auch der gerade bei den Ruhrfestspielen aus der Taufe gehobene «Sandmann» nach E. T. A. Hoffmann – lässt sich «Einstein on the Beach» mit anderen Fantasiewelten überzeugend füllen. Die Dortmunder Aufführung beweist es.

Ein Regisseur muss allerdings einige Stückvorgaben akzeptieren. Kay Voges hat dies getan, im Gegensatz zu seinem wilden ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Stefan Keim

Weitere Beiträge
Spätes Debüt

Er kann nicht fassen, was um ihn herum geschieht. In Anna Viebrocks plastikmöbliertem, viel zu großem Vergnügungszelt. In Christoph Marthalers drückend geschäftiger Verlierergesellschaft, die nun wieder auf der Riesenbühne der Bastille Schicksal spielt. Zum ersten Mal seit 2008, als Gerard Mortier, damals noch Intendant der Pariser Opéra, diesen «Wozzeck» auf den...

Das Gewicht der Welt

Wir stellen uns die Szene vor. Ein Mensch, einsam beschwert, in der Natur. Schwere Wolken über ihm, neben ihm, in ihm. Er weiß, die Wanderung, die er antritt, wird ihn auf eine Straße bringen, «die noch keiner ging zurück». Und so marschiert er los, ein Riesengepäck auf seiner Seele – aber auf samtenem Klangpfade. Bereits die ersten silbrig-verhangenen Töne der...

Abschiede

Endlich hat die Met ihren schwergängigen, vom Publikum indes heißgeliebten «Rosenkavalier» von 1969 in den Ruhestand geschickt. Fortan wird er in jener raffinierten, oft geschäftigen Inszenierung gegeben, die Robert Carsen Ende letzten Jahres an Covent Garden herausbrachte. Paul Steinberg lieferte dazu die im Stil der Sezession gehaltenen, nicht immer attraktiven...