Großbritannien: Dirty old William

In London ist immer noch Shakespeare zu entdecken: «Othello» und «Der Kaufmann von Venedig» zwischen Gangland und Glamour

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Kein Tag im Jahr, an dem nicht auf irgendeiner der fast 250 Londoner Bühnen von Fringe bis National Theatre mindestens ein Shakespeare gezeigt wird. Dass allerdings ein Spielstättenduo der oberen Liga zeitgleich zwei seiner schwierigeren Stücke fürs angelsächsische 21. Jahrhundert grundüberholt, passiert selten: Zur Zeit filetiert am Lyric Hammersmith Frantic Assembly mit zerschlagener Bierflasche «Othello», am Almeida Theatre verlegt Hausherr Rupert Goold den «Kaufmann von Venedig» in ein zynisch heutiges Las Vegas inklusive Elvis-Double.



Frantic Assembly, die aus dem Physical Theatre Bereich kommen, lassen ihr junges durchtrainiertes Ensemble erst einmal zeigen, was Sache ist: In einer minutenlangen Choreografie zu pulsierender Club-Musik bewegen sich Othello, Cassio, Jago und Konsorten – in Trainingsanzügen und Goldketten – mit rasantem Tempo durch Gewalt-, Exzess- und Verbrüderungsszenarien, lassen vor Desdemona, Bianca und Emilia Muskeln und Pokerautomat spielen. Wenn die ersten Shakespeareworte gesprochen werden, dann mit nordenglischem Prekariatsdialekt: Wir sind irgendwo bei Sheffield. Zypern ist hier ein wrackiger Pub mit Plastiksitzen und einem Billardtisch, der auch ...

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Theater heute März 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Patricia Benecke

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