Granaten statt Pistazien

Mohamed Kacimi «Heiliges Land»

Theater heute - Logo

«Wenn du bloß deine Eier leeren willst, sag nicht, dass du fürs Vaterland stirbst», staucht die junge Palästinenserin Imen den Nachbarssohn Amin zusammen, der einen israelischen Soldaten umgebracht hat und nun die Angst vor dem eigenen Tod mit dem Glauben an die 80 Jungfrauen im Märtyrerparadies niederringt. Vielleicht sind es Szenen wie diese, die Mohamed Kacimis 2004 in Frankreich entstandenes Nahost-Konflikt-Stück «Heiliges Land» seine Uraufführung auf einer deutschen Bühne erleben lassen.

«Die französischen Theater befassen sich zur Zeit noch auf einer sehr formellen Ebene mit Gewalt aus Angst vor der Gewalt in der Welt», sagt der seit 25 Jahren in Paris lebende algerische Autor in einem Interview zur Uraufführung.

Das Stück hat es in der Tat in sich: Es beginnt mit einer erniedrigenden Kontrolle von Imen durch den israelischen Soldaten Ian wegen der mutmaßlichen Flucht ihrer Mutter Carmen, es zeigt die alkoholgetränkte Apathie von Imens Nachbar Yad und lässt dessen Sohn am Sterben der Zivilbevölkerung verzweifeln – Amins Mord an dem Soldaten geht die Zerbombung eines Nachbarhauses voraus. Damit er von seinem Sohn, der in einer Mischung aus Macht­rausch und Panik auch noch Imen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2008
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Andreas Jüttner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sofa-Bilanz auf Eis

Da hat man es endlich geschafft, lebt erfolgreich bis an die Zähne in der exklusivsten Gated Community, einem Garten Eden der Zivilisation, wo sichere Lebensverhältnisse und die Annehmlichkeiten des westlichen Lebens geboten werden, und dann das: Falk Richter schreibt ein neues Stück, nennt es «Im Ausnahmezustand» und macht alles schlecht.

Eine Kleinfamilie – Mann,...

Bond ist nicht Beckett

Ein brisantes Zeitstück mit 40 Jahren auf dem Buckel schafft es normalerweise nicht mehr auf die Spielpläne, schließlich schreiben aktuelle Zeitmenschen ja genug dieser aufrüttelnden Werke neu. Aber Edward Bonds «Gerettet» taucht doch ab und zu mal auf wie ein seltener Pilz. Das Skandalstück von 1965 um gelangweilte Halbstarke aus proletarischen...

Grundbeat der Kneipe

Dass echte Kerle ihre Gefühle zeigen können, beweist der Autor am Schluss, als er zum
Applaus auf die Bühne kommt. Begeistert und überschwänglich umarmt er den Regisseur, die Bühnenbildnerin und jeden einzelnen der Schauspieler, die gerade anderthalb Stunden lang seinen Mikrokosmos der Männerwelt verkörpert haben. Simon Stephens heißt dieser gefühlsbewusste Autor,...