Gotscheffs Mühle
Zwischendurch nimmt immer mal wieder jeder seinen schwarzen Caféhausstuhl, wirbelt ihn zu einem kleinen einsamen Tänzchen mit sich herum, schreit ein paar seiner schönsten Phrasen der bösartigsten Selbstsucht ins Parkett und serviert dazu eine Portion Grotesk-Pantomime der jeweiligen besonders auffälligen Macken. Dazu gibt gelegentlich eine vierköpfige, vom Schnürboden per Beleuchterbrücke ins leere Bühnenrund gehängte Combo dissonante Eruptionen auf Basis nicht wiedererkennbarer Walzer-Standards zum Besten.
Mit schönster Offenherzigkeit präsentieren sich in Dimiter Gotscheffs Berliner Inszenierung die gierigen Wiener Klein- und Kleinstbürger in ihrer gesammelten Niedertracht und signalisieren jedem, der noch nicht völlig blind und taub ist: Geheimnisse werden hier nicht gemacht.
Horváths Volksstück in drei Teilen von 1931 ist ein unverwüstlicher Oldtimer des kritischen Theaters: die schaurige Abrichtung der maßvoll widerspenstigen Marianne durch Vater, Bräutigam, Geliebten, Freunde, Tanten und ein weiteres halbes Dutzend menschenverachtender Egoisten nebst den widrigen wirtschaftlichen Verhältnissen, bis aus dem süßen Wiener Mädel eine wehrlos zugerichtete Ehefrau geworden ist. ...
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Stuttgart hat eine beneidenswerte Mitte, mit Neuem Schloss, Landtag, Oper, Schauspielhaus, Württembergischem Kunstverein und neuerdings dem Glaskubus des Kunstmuseums, alles im oder am Schlosspark, mit flachem See, viel Rasen, im Sommer dicht bevölkert. Während «Theater der Welt» ist auch der See bevölkert, bestückt mit einem Steg, auf dem Steg eine Bar,...
Nicht versöhnt» hieß die Straub-Verfilmung von Heinrich Bölls «Billard um halb zehn» über das Sich-Arrangieren der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft, die nie aufgehört hat, vom Sakrament des Büffels zu essen. Auf dem Brot der frühen Jahre und seinen hart gewordenen Krusten kaut Armin Petras herum, wenn er am Schauspiel Köln Ibsens Enthüllungsdrama «Die Wildente»...
In der Wiese gelegen, geraucht und geschaut. Am Seeufer, das Treiben der Gänse im Blick. Was für ein verführerischer Gedanke, dass dieses Idyll schon Wissenschaft sein könnte. Er sei von Natur aus ein fauler Mensch, gestand Konrad Lorenz in seinem bekanntesten Buch «Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen». Das ganze Geheimnis seiner Arbeit liege im...
