Glaube, Hoffnung, Liebe
Ja, ich bin in Wolgograd geboren. Kennen Sie wahrscheinlich besser als Stalingrad. Und ja, wir haben den Krieg gewonnen!», kontert Marianna Salzmann mit einem angriffslustigen Lächeln, wenn man sich vorsichtig ihrem «Hintergrund» nähert. Spiel, Satz, Sieg, versenkt. «Ich bin jiddischer Witz, eine Jüdin aus Stalingrad, die jetzt in Deutschland lebt.» Über ihr Jüdisch-Sein redet sie viel und offen, auch darüber was es heißt, eine jüdische Mutter zu haben. Aber eine jüdische Mutter ist keine private Angelegenheit, sie ist eben auch ein Topos der Weltliteratur.
Auf ihr liegt die ganze Last und Verantwortung, das Überleben einer oft verfolgten Minderheit zu sichern.
Ihre Kinder sollen wachsen und blühen, sie sollen der Stolz ihrer Familie, ja ihres Volkes sein, und alle, die Nachbarn und die ganze Welt, müssen dann endlich sehen: Wir sind nicht schlechter! Oder sie muss zumindest immer neuen Stoff liefern für wunderbare Witze über sie.
Aber genug des interpretatorischen Forschens in der Biografie einer Autorin, denn der emanzipatorische Kampf um gleiche Rechte und Anerkennung steht paradigmatisch für viele moderne Konflikte um Migration und um das Aufeinandertreffen von Minderheiten und ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 194
von Jens Hillje
Sich eine Welt auszumalen, in der das Realitätsprinzip abgeschafft ist, praktische Umstände keine Rolle spielen und der Wunsch nur darauf wartet, seine Erfüllung zu finden, das hat wenig mit der Art und Weise zu tun, mit der ich mich durchs Leben bewege. Deswegen entspricht es meinem Bild des idealen Theaters und meinem Selbstverständnis, dass die Künstlerische...
Sehr geehrte Damen und Herren,
lieber Wolfram,
wie Sie alle hier ja wissen, sieht es mit der Gegenwartsdramatik schlecht aus.
Klar ist das jetzt auch ein polemischer Satz, solche Sätze eignen sich ja sehr gut, um so eine Rede anzufangen – das darf aber auf keinen Fall darüber hinwegtäuschen, dass ich den Satz auch so meine. Wenn ich mit Leuten in meinem Alter spreche...
Maria und Jesus Maria sind Zwillinge. Ihr Vater, ein Spanier, dem sie die Namen verdanken, hat ihre Mutter sitzen lassen und ist längst weg.
Ihre Mutter beginnt zu trinken, und bald wird sie auch von ihren Kindern verlassen. Maria und Jesus Maria landen in einem kuriosen Umfeld als Nachbarn von Madame Bonafide, einer transsexuellen Wahrsagerin, und dem alternden...
