Gibt es Tendenzen?

Ein Mitglied des Mülheimer Auswahlgremiums versucht, sich die Auswahl zu erklären

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 Fünf Kritikerinnen und Kritiker bilden das Auswahlgremium der Mülheimer Theatertage. Einer davon fungiert als «Sprecher». Ihm kommt unter anderem die ehrenvolle Aufgabe zu, sich auf der Pressekonferenz zur Auswahl den Fragen der Kollegen zu stellen. Wobei Fragen fast schon zu viel gesagt ist. In der Hauptsache handelt es sich um eine einzige Frage, und der Sprecher des Auswahlgremiums ist gut beraten, wenn er darauf eine Antwort parat hat.

Die Frage lautet: «Welche Tendenzen gibt es in der Gegenwartsdramatik?»

Obwohl ich zwar Mitglied des Auswahlgremiums, dieses Jahr aber nicht sein Sprecher bin, werde ich hier versuchen, die Frage zu beantworten. Aber nicht, ohne mich vorab wenigstens halbherzig davon zu distanzieren. Denn natürlich impliziert die Frage auch, dass die Mülheimer Auswahl solche Tendenzen – wenn es denn überhaupt welche gibt – abbildet. Das aber tut sie nur bedingt. Best-of-Festivals wie Mülheim oder das Theatertreffen werden ja nicht kuratiert, sondern nominiert. Eingeladen werden nicht die Stücke oder Inszenierungen, die inhaltlich oder ästhetisch am besten zusammenpassen (um auf diese Weise beispielsweise bestimmte Tendenzen aufzeigen), sondern schlicht jene, für ...

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Theater heute Mai 2012
Rubrik: Neue Stücke in Mühlheim, Seite 45
von Wolfgang Kralicek

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