Gewalt und Versenkung
Noch ist der Kampf nicht ausgefochten. Noch kann sich Anatolij Wassiljew, einer der herausragenden Erneuerer des russischen Theaters aus der inzwischen älteren Generation, nicht wirklich sicher sein, dass die von ihm initiierte, vom mächtigen Moskauer Bürgermeister Jurij Luschkow nachhaltig geförderte und darum lange Zeit schier unaufhaltsam expandierende «Schule der dramatischen Kunst» die jüngeren finanziellen Verwerfungen im neuen Moskau unbeschadet überstehen wird.
Mehrere höchst edel restaurierte Räumlichkeiten stehen dem solitären Theater-Visionär zur Verfügung in der weithin blankgeputzten und manche Erinnerung an das, was früher war, großspurig ignorierenden Moskauer Innenstadt. Und viele der zur sechsten Ausgabe des in Nachwendezeiten gegründeten Tschechow-Festivals anreisenden internationalen Gäste werden im «Moskauer Programm» des dreigeteilten Gesamtangebots womöglich gerade Wassiljews rituelle Fantasie über das 23. Buch aus der «Ilias» des Homer für wichtiger und eindrucksvoller gehalten haben als manches schlichtere Werkstück des reisenden Festival-Business im internationalen oder experimentellen Programm. Derweil jedoch musste sich der Meister in Moskau selbst fragen ...
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Ihr Mund ist es, der einen verfolgt. Wenn Almut Zilcher den Mund öffnet, meint man, die Bühne verwandle ihr Format – von der Totale zur Großaufnahme. Ist er stumm, dieser Mund, oder seufzt er, giert er, lacht, weint oder schreit er? Der Schrei, so Jean-Jacques Rousseau, gebäre sich aus dem Willen zum Überleben des Menschen. Mit ihm verwildert die Stimme, echot...
Es ist ein Abend, wie er im Theater eigentlich immer sein müsste: betörend, melancholisch, aber auch gescheit und scharf und ausweglos in seiner Konsequenz. Ein kleines bisschen fahrig vielleicht in seiner Collagierseligkeit, manchmal etwas zu beschwipst von den Einsatzmöglichkeiten des Komödiantischen, aber doch immer Blueprint für das Leben, wie es eben ist oder...
Barbara Burckhardt Der Held ihres Theaterstücks «Orpheus, Illegal», Stanislaw Perfetzki, ein reisender Dichter und politischer Aktivist, scheint nicht nur Ihr Alter Ego zu sein, er ist auch identisch mit dem Protagonisten Ihres dritten Romans von 1996, «Perversion», der ebenfalls nach Venedig reist, einen Kongress besucht und sich in eine schöne Ada verliebt....
