Geld verdirbt den Charakter
Ganz Charlottengrad ist auf den Beinen. Mit Pelzkrägen, High Heels und Dekolletés, die tief zwischen hochgeschnürte Brüste blicken lassen. Mit Kussmündern, vielleicht nachgespritzt, und reichlich blauem Lidschatten. Überhaupt, mit Farbe! Kurvenschmeichelndes Grün, frivoles Pink und leuchtendes Sonnengelb, passend zur nachtschwarz gefärbten Haarpracht. Dazu bonbonfarbene Handtaschen, in Gold gefasste iPhones, funkelnde Brillianten.
Ein Paradiesvogelschwarm hat das sonst eher gedeckt-gedämpfte Foyerleben der Berliner Schaubühne aufgescheucht und in einen Ort der Sinnenfreude und des Überschwangs verwandelt. Mitgeschleift aussehende Männer stehen dazwischen wie Bremsklötze herum und lassen ihre Begleiterinnen umso glanzvoller erstrahlen. Anlass des ungewohnten Auftriebs: das Moskauer Gastspiel von Strindbergs «Fräulein Julie», dortselbst im Januar inszeniert vom Intendanten der Schaubühne, Thomas Ostermeier.
Im Mercedes auf die Probe
«Schauspieler, besonders die berühmten, genießen in Russland immer noch einen besonderen Status. Sie werden von ihrem Publikum abgöttisch geliebt», hat Ostermeier kürzlich, zurückgekehrt von den Proben im Moskauer Winter, der Berliner Wochenzeitung ...
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Theater heute April 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 11
von Eva Behrendt
Aachen, Grenzlandtheater
16. Walser, Das fliehende Pferd
R. Catharina Fillers
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
1. Cooney, Cash – Und ewig rauschen die Gelder
R. Dietrich Kunze
Aschaffenburg, Stadttheater
28. Kirchner, A.M.I.L.O. – Alte Männer in lächerlichen Outfits (U)
R. Heinz Kirchner
Augsburg, Theater
13. Kater, We are camera/jasonmaterial
R. Lilli-Hannah Hoepner
B...
Gerade noch haben Popjournalisten von Rang die Frage diskutiert, was denn den Hipster, diesen amerikanischen Nachfahr des europäischen Bohèmiens, so ausmacht (u.a. «sehr, wirklich sehr enge und spitz zulaufende Hosen, in die man rein-, nicht aber wieder herauskommt, Pullover mit Rentieren drauf, übergroße und schwarze Hornbrille oder aber das teure Imitat des...
Walter Scheel saß in den 70er Jahren hoch auf der gelben BRD-Kutsche und hat trotzdem nie singen gelernt. Der deutschen Fernsehshow-Industrie war das egal, Scheel durfte das Volkslied «Hoch auf dem gelben Wagen» fürs ZDF verballhornen. Etwa zur selben Zeit gewann Elfriede Jelinek schreibend Abstand von ihrem toten Vater und ist trotzdem nie mit ihm fertig...
