Geist der Zersetzung
Beweisaufnahme. Ein Lastenheber rasselt in den Bühnenuntergrund, fördert zerstörte Kunstwerke zutage. An der Indizienkette baumelt bald ein Rubens, bald ein Raffael, in Folie verpackt und verzurrt, vor allem aber: zerrissen, zerbrochen, zerschlagen. Regisseurin Christiane Pohle und ihr Dramaturg Malte Ubenauf haben das späte, sperrige Prosawerk «Alte Meister» ins Basler Schauspielhaus gehievt. Im Prolog schnarrt Chantal Le Moign als Prozessbevollmächtigte Registriernummern und Zerstörungsgrade ins Mikrofon.
Eine Schulklasse starrt die Fragmente an, und den mutmaßlichen Kunstschänder dazu: Reger heißt er. Musikkritiker, Philosoph, «Times»-Autor, Thomas-Bernhard-Double, von Urs Bihler wachsbleich auf der Anklagebank ausgestellt, auf Unnahbarkeit getrimmt.
Bihler gibt einen radikalen Geistesfürsten, der zunächst zu allem schweigt. Dass ihm der Prozess gemacht wird, weil er im Kunsthistorischen Museum Wien, wo er seine Tage vor einem Tintoretto zu vergrübeln pflegt, offenbar Amok gelaufen ist – diese Spielsituation haben Pohle und Ubenauf erfunden, das steht so nicht bei Bernhard. Reger ist ein Denker, kein Aktivist. Aber: Die Idee ist akzeptabel. Sie erlaubt der Regie, die ...
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Nein, hatte Ozan vor zwei Jahren gesagt, er könne doch jetzt keinen Gemüseladen oder eine Döner-Bude in der Stadt aufmachen. Aber was solle er tun? Damals stampfte er bei diesen Sätzen mit den Füßen auf, vor Kälte und auch vor Wut. Die Hände streckte er in Richtung der Flammen, die aus den verrosteten, zu Öfen umgerüsteten Benzinfässern züngelten: «Auswandern...
Siebzig Minuten dauert die Aufführung: Die sieben Szenen Arthur Schnitzlers, die 1889/90 entstanden und in denen der Wiener Bourgeois und Lebemann Anatol jeweils eine andere Frau begehrt, verabschiedet, verliert, hat der Regisseur Luk Perceval zu einem einzigen Akt zusammengezogen. Er hat die Dialoge radikal zusammengekürzt und dabei alles spezifisch...
Die Legende geht, Alexander Wewerka habe 1983 bei der Gründung und gewerblichen Anmeldung seines Verlags nicht mal einen Namen für dieses Projekt gehabt. Im letzten Moment fiel ihm der eigene Vorname ein und eine Grafik von Roland Topor in die Hand. Der auf einem Gehirn wedelnde Skiläufer wurde, soweit ich das beurteilen kann, zum ungewöhnlichs-ten Logo der...
