Gegenangebote
Mit dem klassischen Repräsentationstheater haben sie es nicht so. Die Einheit von Schauspieler und Rolle ist ihre Sache nicht. Aber die Gegenangebote, die Rimini Protokoll und Laurent Chétouane dem Theater unterbreiten, könnten kaum unterschiedlicher ausfallen. Wo Rimini den Bühnenprofi zugunsten der «Experten des Alltags» verabschieden, wo sie den versierten Theaterton gegen die mikroportgestützte Allerweltsaussage, den Spieler gegen den Rumsteher eintauschen, so dass alles wie «aus dem Leben gegriffen» wirkt, da nimmt Chétouane die entgegengesetzte Richtung.
In der Entkoppelung von Stimme und Körper, in der bis zum Phlegma überdehnten, spärlich bebilderten Deklamation manifestiert sich bei ihm ein Kunstbegehren, das alle Fühlung mit dem Alltäglichen längst abgelegt zu haben scheint. Binnen Wochenfrist waren beide Projekte in den Rhein-Metropolen Düsseldorf und Köln zu begutachten. Und es steckte dann doch mehr Gemeinsamkeit darin, als unsere Schulweisheit sich träumen ließ.
Konformismus mit der Vielfalt
«Breaking News – Ein Tagesschauspiel», mit dem Helgard Haug und Daniel Wetzel eine Spielzeit nach der preisgekrönten Uraufführung von «Das Kapital. Erster Band» ans Düsseldorfer ...
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Wie sich die Zeiten gleichen. Die Theaterleute mischen sich unters Volk. Die Barriere zum Parkett ist gefallen, Partylaune drängt in die oberen Ränge, wo sich eine muntere Gegenwelt zum Menschenfeind Alceste hinter einer Batterie von Flaschen in Stimmung bringt. Der Steg, mit dem Stefan Mayer im Kölner Schauspielhaus diese Spaßstation mit dem schwarz eingesargten...
Auf die Idee muss man erst einmal kommen: Falk Richter hat für seine «Kirschgarten»-Inszenierung Tschechows russisches Original einer Agentur gegeben, die üblicherweise auf die Übersetzung von Wirtschaftstexten spezialisiert ist, und auf dieser Grundlage eine Neubearbeitung angefertigt. Abgesehen von einem souveränen Mangel an Bescheidenheit – ich schreib mir...
Irgendwann Anfang der siebziger Jahre, so genau erinnert sich keiner der Beteiligten, strichen zwei Männer mit hochgekrempelten Hosenbeinen an den überfüllten Stränden von Sosopol entlang. Der eine rief ständig «Margit», während der andere sich nach «Jürgen» heiser schrie: Heiner Müller und Dimiter Gotscheff hatten sich an der bulgarischen Schwarzmeerküste locker...
