Gefangene der eigenen Geschichte
Wen schert das schon ich kann das nicht mehr hören dieses Geraunze satzloses Murmeln Syntax dahin ADE!» Es dauert nicht lange, da beschwert sich Agata schon über den Text, den die Autorin Eleonore Khuen-Belasi für sie und ihre Mitstreiterinnen geschrieben hat.
Agata, Aurelia und Teresa sind, tja, Figuren wäre schon übertrieben, vielleicht drei Gewächse Marke Golden Girls, die in ihrer Stadt Wurzeln geschlagen haben, oder ein restauratives Beckettsches Clownstrio auf Plastikstühlen, das besorgt Risse und Öffnungen im Asphalt unter sich bemerkt und mit der eigenen klebrigen Spucke zu reparieren versucht. Auch «Asphalt» spricht, ist also womöglich eine «Metapher» für die Straße, sprich das nicht-privilegierte Volk, doch während Aurelia, Agata und Teresa auf dem Papier ohne Punkt und Komma meckern, argumentieren und fachsimpeln, macht Asphalt sich dank Satzzeichen ordentlich verständlich.
Die Welt ist aus den Fugen, sinngemäß: Das ist der Ausgangspunkt von Eleonore Khuen-Belasis «ruhig Blut», dem man – Stichwort Schreibweise – Einflüsse der Wiener Avantgarde ebenso anmerkt wie das Philosophiestudium, das die 1993 in Bozen geborene Autorin derzeit noch an der Universität Wien ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Neue Stücke, Seite 27
von Eva Behrendt
Wenn zwei Frauen sich streiten, freut sich die Dritte. Claudia Bauer ist die Dritte in diesem Fall, bei dem es um Elisabeth, Königin von England, und Maria Stuart, Königin von Schottland, geht und eigentlich um die Frage, wie tief man moralisch sinken kann, wenn man die Macht hochhalten will. Zwei Konkurrentinnen bekämpfen sich da bis zum tödlichen Ende der einen –...
Aufführungen
Am Berliner Ensemble startet der unermüdliche Ersan Mondtag mit Brechts radikal asozialem Geniekünstlerdrama «Baal», am Gorki Theater denkt Oliver Friljic Tolstois «Anna Karenina» mit Dostojewskis «Arme Leute» zusammen, an der Volksbühne gräbt Interims-Schauspieldirektor Thorleifur Örn Arnarsson nach Homers «Odyssee», und an der Schaubühne bezieht...
Ein «Fatzer» ist im Augsburger Dialekt ein Schwätzer, ein Aufschneider. Brecht hat seiner Figur einen wahrlich sprechenden Namen gegeben. Der ichsüchtige Spötter redet und redet und geht doch unter. Er steigt aus dem Krieg aus, ein Deserteur. Lang ist’s her, der Erste Weltkrieg, und lange hat Brecht an diesem Projekt vom «Untergang des Egoisten Johann Fatzer»...
