Von Mäusen und Menschen: das Thalia-Ensemble in Ersan Mondtags Hamburger «Orestie»; Foto: Armin Smailovic
Geburt und Elend der westlichen Demokratie
Weiße Mäuse? Sie haben spitze Näschen, allerliebste Schnurrhaare und neckische, tiefrote Zwicker auf der Schnauze. Sie tragen faserige Flokati-Wuschel-Jäckchen, Schlaghosen und lustige Frisuren, die an die besten Post-Beatles-Zeiten erinnern. Dazwischen zeigt sich auch mal eine bunte Maus in Pink oder Orange. Und sogar eine Maus of Colour – natürlich nicht geblackfaced, sondern mit Dunkelstrumpfganzkörperkostüm.
So sehen die Bürger von Argos in Ersan Mondtags Hamburger «Orestie» aus und ihre Herrschersippe der Atriden: ein lässig nettes Designvolk aus dem nivellierten Mittelstand der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dezenten persönlichen Noten. Hier ein Farbtupfer, da eine Kastenbrille, dort eine Tragetasche vom «Club Azur». Die zoologische Nachfrage in der Thalia-Dramaturgie ergibt zwar, dass es sich eigentlich um weiße Laborratten handeln soll (Kostüme Josa Marx), aber für Nichtlaborratten bleibt das schwer zu erkennen. Im Übrigen sollen auch Laborratten sehr putzige Tierchen sein.
Im ersten Teil von Aischylos’ «Orestie» erschlägt Klytaimnestra ihren Gatten Agamemnon nach der Rückkehr von Troja, weil er die gemeinsame Tochter Iphigenie für besseren Fahrtwind geopfert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Franz Wille
Vor gut zwei Jahren löste «The Future Is Female» einen späten Hype aus. 1972 ursprünglich als Slogan für Labyris Books, dem ersten Frauenbuch-Laden in New York entworfen und auf ein paar T-Shirts gedruckt, war das Design nun an Supermodel Cara Delevingne und ihrer Freundin Annie Clark (a.k.a. St. Vincent) zu bewundern, und gelangte über Instagram entsprechend...
Es beginnt mit einer Pannenserie. Erst zerschellt in der Russendisko namens «Cherry Orchard» eine kirschrote Ballonlampe auf der verlassenen Tanzfläche. Dann verschüttet der aufgeschreckte letzte Gast am Tresen den Drink. Sein Glas klirrt, Barfrau Dunjascha resümiert: «Scheiße.» Womit das erste Wort am Theater Freiburg unter der Intendanz von Peter Carp nüchtern...
Neue Stücke
«Philipp Lahm»! Das ist doch mal ein welt- und fußballmenschhaltiger Theaterstücktitel. Klar, «Jerome Boateng» oder «Ilkay Gündogan» wären auch cool gewesen, aber Michel Decar geht es laut Münchner Residenztheater genau um die Lahmsche Tugendkoppelung von Ungeduld und Gleichmut, die einen Monolog lang seine eigene Generation charakterisiert (R:...
