Fraupower
Jetzt seid Ihr schon vier Frauen in der Jury und schafft es nicht, mehr als eine Regisseurin zum Theatertreffen zu bringen?» So in etwa lautete die absolut nachvollziehbare, männlicherseits nicht ganz hämefreie Kritik nach der Bekanntgabe der diesjährigen Auswahl.
In der Tat hatte sich die weibliche Mehrheit in den vergangenen Monaten mit wachsendem Unbehagen über die Premieren- und Votenlisten gebeugt: Wo zum Teufel bleiben die Frauen? Gucken wir falsch oder zu wenig? Und was bitte wäre peinlicher, als genau eine Frau in der Auswahl zu haben? Kein Trost ist, dass nach wie vor deutlich, nämlich fast drei Viertel weniger Frauen als Männer im deutschsprachigen Stadttheater inszenieren, obwohl in den Ausbildungsgängen sogar mehr Frauen als Männer starten.
Nach 666 Voten über 377 Inszenierungen in 63 deutschsprachigen Städten war aber doch klar, dass nur der Inszenierungseinzelfall im Vordergrund stehen konnte. Und da führte trotz teilweise heftiger Diskussionen kein Weg vorbei an Ulrich Rasches prä- und postfaschistoider «Räuber»-Bande nach Schiller vom Münchner Residenztheater, an Ersan Mondtags Himmel- und Höllenspiel «Die Vernichtung» (für den Text zeichnet mit Olga Bach immerhin eine Frau co-verantwortlich) vom Konzerttheater Bern, an Milo Raus repräsentationsselbstkritischen «Five Easy Pieces» mit Kindern vom Campo-Theater Gent, eine Koproduktion u.a. mit den Berliner Sophiensaelen und den Münchner Kammerspielen, an Simon Stones beißend zeitgeistiger «Drei Schwestern»-Überschreibung am Theater Basel, Kay Voges’ wimmelbildartiger «Borderline-Prozession» vom Theater Dortmund, Johan Simons’ protestantischem Storm-Exerzitium «Der Schimmelreiter» am Hamburger Thalia Theater, an Thom Luz’ Verklärung der «Traurigen Zauberer» im Mainzer Staatstheater, an der radikalen Hamsterraddramaturgie von Forced Entertainments Konzept-Gameshow «Real Magic» beim Essener PACT Zollverein, an Herbert Fritschs Momenten kontrolliert blanken Wahnsinns in «Pfusch» an der Berliner Volksbühne.
Aber eben auch nicht an Claudia Bauer, die Peter Richters subjektiven Wende-Erinnerungsroman «89/90» am Schauspiel Leipzig in ein kollektives Wendeoratorium überführt hat. Hoffentlich nächstes Jahr mehr!
Theater heute März 2017
Rubrik: Berliner Theatertreffen, Seite 68
von Eva Behrendt
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