Frau Müller träumt von Weihnacht
Frau Müller war seit Jahren einsaaam,
seit untern Zug in Vals ihr Mann kam.
Nun stand auch noch die Weihnacht an,
ein Jahr, nachdem es ihren Mann nahm.
Und sie war wochenlang gelaufen
vor diesem Laden hin und her,
sie wollte jenen Mantel kaufen.
Doch Geld hatte sie keines mehr.
Sie sah sich in dem Mantel stehn,
sah sich zu großen Galas gehn.
Den Mann des Lebens fände sie!
Doch ohne Mantel leider nie.
Das Stück war rot und bis zum Boden,
und er war mehr als simple Moden.
Er war Zuhause und daheim,
und ohne ihn hieß einsam sein.
Sie war nun wirklich nicht sehr schön,
doch mit dem Mantel kein Problem:
Ein Haus am See, ein Pferd, Orgasmus,
das käme mit dem Mantel allus.
Das Geld hat sie dann unterschlagen.
Sie trug den Mantel, hoch den Kragen,
sie wollte nur noch tanzen, springen,
und hörte nicht die Tram laut klingen.
So war die Weihnacht für Frau Meier,
die eigentlich doch Müller hieß,
nicht eine wirklich schöne Feier,
als man sie dann ins Grab abließ.
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