Frankfurt/Main: Angeschmutzte Erlösungsfantasien
Übermut ist diesem Peer fremd. Er ist ein Träumer nicht aus Lust, sondern aus Not: Seine Träume sind verdrehte Fluchtversuche, sucht er doch im Eskapismus die Anpassung, im Ausbruch den Einbruch, sehnt er sich doch nach Zugehörigkeit und Heimkehr. Seine Großmannsfantasien sind ein fortwährendes Ringen um Liebe und um Anerkennung, das ebenso fortwährend scheitern muss.
Dabei hatte alles so gut angefangen! Aus der klinisch weißen Krankenstation war Peer Gynt ausgebrochen, per Leiter durch die Deckenluke geklettert und plötzlich in einer wilden Weite gelandet: Auf einer Lichtung, bedeckt mit Erde und umstellt von meterhohen Holzplanken. Im Halbdunkel hat er sich hier aufgebäumt, der große Mann, hat den nackten Körper mit Erde eingerieben und Urlaute ins Nichts gebrüllt. Hier ist er auf Gleichgesinnte getroffen, die ihn in ihre Mitte aufnahmen, andere nackte, erdbeschmierte Leiber. Und für einen Moment war er einer von ihnen. Für einen Moment war alles gut.
Am Schauspiel Frankfurt hat Theatermaler Andreas Kriegenburg Ibsens wilde Identitätssuche und Ausbruchsfantasie inszeniert. Eine Inszenierung, in der die Melancholie des Vergeblichen alles von Anfang an grundiert. Max Simonischek ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2019
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Esther Boldt
Aachen, das da theater
12.9. Gordon, Rain Man
R. Achim Bieler
Aachen, Grenzlandtheater
24.8. Calbérac, Die Studentin und Monsieur Henri
R. Anja Junski
29.9. Molnar, Eins, Zwei, Drei
R. Catharina Fillers
Aachen, Theater
20.9. nach Lessing, Nathan der Weise und Jelinek, Abraumhalde
R. Jan Langenheim
26.9. Naumann, demut vor deinen taten baby
R. Lisa Heinz
28.9. nach...
11. März 2004: In Madrid ist es 7.39 Uhr, als die erste Bombe hochgeht. Neun weitere Detonationen folgen: in vier Vorortzügen, in denen dicht gedrängt Pendler zur Arbeit, Kinder zur Schule und Studierende zur Uni fahren. 191 Menschenleben forderte das Attentat. Noch Jahre danach wird ein Vater immer wieder die Bahnstrecke abfahren, in der Hoffnung, seine Tochter...
Als Hermann Hesse Hilfe in fernöstlicher Philosophie suchte, verarbeitete er sein Erster-Weltkriegs-Trauma. Die Fixierung auf das eigene Ich zu lösen, sich innerlich leer zu machen und meditativ gelassen zu transzendieren, war für den schwäbischen Missionarssohn so etwas wie Selbsttherapie. Als Role Model wählte Hesse einen indischen Brahmanensohn, der sich als...
