Folter der Kuscheltiere
Tom Peuckert beansprucht gern durch Titel und Personal seiner Dramen Aufmerksamkeit, so auch mit seinem neuen Stück: «2009», ein Vierteljahrhundert nach «1984» – Vorsicht, Überwachungsstaat! Neben einem Präsidenten (Achtung, Staatsmacht!) treten mit Antigone, Hamlet und Raskolnikov gleich drei Veteranen der literarischen Schuld- und Sühnegeschichtsschreibung auf.
Handlungshintergrund ist die Folterandrohung gegen den Entführer des Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler durch den stellvertretenden Polizeipräsident Daschner: ein Mann zwischen Moral und Gesetz – ein echter tragischer Konflikt!
Doch gerade der Präsident ist in «2009» frei von jeder Tragik und Zerrissenheit: «Ich diene nicht der Gesellschaft, indem ich den allgemeinen Zweifel immer weiter vergrößere.» Er lebt in einer nahen Zukunft, die sich mit der Folter als Ermittlungstechnik arrangiert hat. Anders als sein Vorbild Daschner ist er damit erfolgreich. Der entführte Junge ist frei. Das spielt dem Täter, Raskolnikov, zu. Ein knappes Schuldbekenntnis («Natürlich war das alles ein Fehler»), und schon hat er ausgesorgt: Die Buchrechte sind vergeben, die Verfilmung ist in Aussicht gestellt. Auch wenn die Entführung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sieben Jahre lang musste sich der Burgschauspieler Michael Masula mit markanten Auftritten am Rande begnügen. Die Figur aber, die er in Anja Hillings neuem Stück «Bulbus» spielt, ist nicht nur im übertragenen Sinn des Wortes eine tragende Rolle: Während Masula seinen großen Anfangsmonolog spricht, hat er eine leblose junge Frau geschultert. Um die geliebte...
Mit wenig mehr als 170 Zentimetern hätte er ja eher die Statur für einen Sancho Pansa. Aber er spielt immer wieder die Don Quijotes. Vorangetriebene, die auf den Wellen eines unbeirrbarren Wollens surfen wollen und dann doch nur von ihnen mitgerissen werden. Die entweder das ganze Stück über vergeblich auf ein Ziel zurennen – wie sein Shylock, der so gern wie all...
Stars, Größen und Herren eines gewissen Alters bevölkern diesen Londoner Theaterfrühling. An Kevin Spaceys Old Vic Theatre inszeniert Filmveteran Robert Altman Arthur Millers vorletztes Stück «Resurrection Blues» mit Matthew Modine und Maximilian Schell. Ein paar Straßen weiter spielt am Donmar Warehouse Theatre Ian McKellen – Gandalf aus dem «Herrn der Ringe» und...
