Festival: Wer ist der Affe?
Als «massives Kompendium des Zornwissens», ohne «das die Dramen des 20. Jahrhunderts nicht angemessen beschreibbar sind», hat Peter Sloterdijk das Marxsche Werk einmal bezeichnet. Womit recht gut die Faszination bezeichnet ist, die Marx noch immer auf die Dichter und Denker ausübt. Die Arbeitswerttheorie, die Verelendungstheorie oder die Thesen zum tendenziellen Fall der Profitrate mögen veraltet, ja obsolet sein. Aber seine auftrumpfende Rhetorik des Zorns ist es nicht.
«Unsre Bourgeoisie, nicht zufrieden damit, dass ihnen die Weiber und Töchter ihrer Proletarier zur Verfügung stehen, von der offiziellen Prostitution gar nicht zu sprechen, finden ein Hauptvergnügen darin, ihre Ehefrauen wechselseitig zu verführen.» So schamlos schrieb eigentlich nie wieder ein Ökonom. Und niemand hat so suggestiv die Produktionssphäre als Gruselkabinett ausgemalt: bevölkert von den ausgesaugten Arbeiterheeren, vom «Vampir» des Kapitals, von den Götzen des Warenfetischs. Untote allerorten. Jacques Derrida hat sich diese Rhetorik in seiner Studie «Marx’ Gespenster» 1993 vorgenommen. Den Titel haben sie sich am HAU für ihr zehntägiges Marx-Renaissancefestival gegriffen. Klingt ja auch gut.
Gezupft ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Christian Rakow
Ein Kino. Febo Maris «Cenere« (1916) wird gezeigt, der einzige Film mit dem italienischen Theaterstar Eleonora Duse (1858–1924). Und mehrere Minuten dieses Films eröffnen John Neumeiers Ballett «Duse», stumm, in eine Ecke der Bühne verbannt, eine beeindruckende szenische Lösung, aber auch ein bisschen verschenkt. Denn um den heute nur schwer erhältlichen Film geht...
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Shakespeare verhandelte die Dramatik der exotischen Paarbindung in «Othello». Puccini lieferte mit «Madame Butterfly» das Musiktheater zum Thema. Der britische Seemann Fletcher Christian versteckte sich nach der Bounty-Meuterei mit seiner tahitianischen Maimiti lieber gleich auf einer Insel jenseits aller Schiffsrouten. Das wären so die literarischen Vorlagen...
