Fast ein Spuk
Ein gründerzeitliches Tableau vivant. Das ist Robert Walsers Erfinderfamilie Tobler in Luzern: apart verteilt im mehrstöckigen Entrée der Villa «Abendrot», einem prächtigen Treppenhaus von Werner Hutterli, reglos erstarrt. Was sich bewegt, ist in dieser ersten Szene einzig der Gehülfe: Wirsich, der gehen muss und seinen Koffer packt. Hose, Hemd – nur nicht die Kleiderbügel! Die gehören doch zum Villeninventar. In zäher Slowmotion entwindet sie der Hausherr jedem einzelnen dünnen Gehülfenhemd.
Wirsich sperrt sich dagegen, krumm am Boden, ein zähflüssiges Ziehen und Zerren setzt ein, grandios und grotesk, und jede träge Bewegung erzählt ihre eigene kleine Geschichte von der Schwerkraft des Scheiterns.
Ueli Jäggi, seit vielen Jahren unverzichtbarer Gehülfe im Marthaler-Theater, inszeniert Robert Walsers Roman eines Untergangs als Geschichte einer existenziellen Erstarrung, eines Scheiterns von Anfang an. Dieser Tobler hat schon lange kapituliert. Und freilich erzählt Jäggi dann auch nicht die Chronologie. Die Textfassung von ihm und Malte Ubenauf folgt zwar mehr oder weniger der Romanhandlung (wie sie Walser selbst als Privatsekretär erlebt hat): Marti, der Gehülfe, kommt ins Haus ...
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