Essen: Spiel zwischen Leichen
Ein Tunnel aus Nebel windet sich in die Tiefe des Raums. Einzelne Gestalten schälen sich aus dem Dunst, werfen groteske Schatten, beginnen zu tanzen, trudeln in den dunklen Schlund oder werden von ihm ausgespien. Zwischen jeder Szene taucht dieser Spuk erneut auf, wie ein düsterer psychedelischer Trip. Thomas Krupa entwirft in seiner Inszenierung von Noah Haidles «Skin Deep Song» am Schauspiel Essen ein surreales Endzeitszenario in faszinierend verstörenden Bildern.
In dem Stück des New Yorker Theater- und Drehbuchautors hat die Apokalypse bereits stattgefunden, die Schwestern Woden und Mimi streifen durch eine Trümmerlandschaft. Von Ferne tobt der Krieg, «nichts lebt». Ihre Eltern haben sie bei einem Attentat verloren, schleifen aber immer noch ihre Leichen hinter sich her. Um sich ihr Leid erträglicher zu machen, erzählen sie sich Witze oder tauchen in Rollenspiele ein, bei denen sie den Mord an den Eltern durchspielen. Auch den etwas langsamen gleichaltrigen Hal, der in diesem Krieg kämpfen muss (und auch in ihm sterben wird), beziehen sie mit ein. In Rückblenden sieht man sie beim Dauerfeiern mit ihren durchgeknallten Eltern, der Royal Family, die anscheinend den Krieg ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Natalie Bloch
Franz Wille Alle reden vom Berliner Flughafen, der wohl nie fertig werden wird, oder von Stuttgart 21, aber niemand redet von der Baustelle im Stuttgarter Schauspielhaus, die sich leider vergleichbar katastrophal hinzieht.
Hasko Weber Inzwischen halte ich solche
Parallelen auch für angebracht. Es gibt sicher Größenunterschiede, aber die Bedeutung für die Stadt und...
Mit der tiefen Ergriffenheit des genialischen Künstlers – vor allem von sich selbst – schwadroniert der Maler Schwarz eingangs über Beinschwung, Hüftlinie und weitere bewährte Vorzüge seines Modells Lulu. Natürlich zeigt er dabei beharrlich auf einen leeren Bilderrahmen. Lulu als von keines Gedankens Blässe anzukränkelnde Projektionsfläche: so weit die gängige...
Rund hundert neue deutschsprachige Stücke hat das fünfköpfige Mülheimer Auswahlgremium zwischen März 2012 und Februar 2013 gelesen und besichtigt. Acht Mal wurde es fündig. Und das gab es noch nie: die totale Übererfüllung der Frauenquote! Jahrzehntelang war Elfriede Jelinek ziemlich allein auf weiter Flur an der Ruhr, diesmal stehen ihr gleich vier Kolleginnen zur...
