Erkenntnis! Energie! Bewusstsein!

Ein Gespräch mit dem Theaterkritiker, Theaterhistoriker und Ex-Intendanten des Schauspiels Frankfurt Günther Rühle und mit Matthias Lilienthal, Ex-Volksbühnendramaturg, Leiter des Berliner Hebbeltheaters am Ufer und Freie-Szene-Ermöglicher, über Avantgarden gestern und heute, den Generationswechsel, Einfühlung und Erkenntnis und Live Art in den Sechzigern

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Theater heuteHerr Rühle, was missfällt Ihnen so vehement am zeitgenössischen deutschsprachigen Theater?

Günter RühleBei den augenblicklichen Entwicklungen am Theater geht es nicht um Missfallen, sondern um die Veränderungen, die wir Theaterbesucher mit unseren Erlebnissen und mit unseren Vorstellungen von Kunst und der Funktion von Theater in Verbindung bringen. Diese Veränderungen können wir nicht mehr sympathetisch
begleiten, weil wir sie als Verluste empfinden. Ich sage das so deutlich, weil die heutige Kritikergeneration völlig anders bewertet.

Sie haben beim diesjährigen Theatertreffen zum ersten Mal nicht ausverkaufte Premieren. In den Pausen flieht das Publikum.

THDas hat es schon immer gegeben. Erinnere mich gut an Türenknaller bei Schleefs «Vor Sonnenaufgang» und Marthalers «Wurzel aus Faust»

RühleDieses Mal war es besonders auffallend – und ich habe mich zum ersten Mal daran beteiligt! Ich bin ja unbeschränkt leidensfähig im Theater, aber dieses Jahr ist es mir schwer gefallen. Und das hängt mit den Verlusten zusammen. Beispiel: «Kasimir und Karoline». Eine Auf­führung, die von außen kalt inszeniert ist. Man merkt deutlich, diese Regisseure haben ihre Bildung aus dem ...

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Theater heute Jahrbuch 2010
Rubrik: Zeitreise, Seite 80
von Eva Behrendt, Barbara Burckhardt, Franz Wille

Vergriffen
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