Emotionales Multitasking
Tatjana Winter (Ursina Lardi) heißt so, weil sie der Tatjana aus Puschkins «Eugen Onegin» nachgebildet ist, insbesondere Tschaikowskis Opern-Version; denn ihre Mutter (Borjana Mateewa) ist wiederum von Beruf Opern-Sängerin und muss als so eine Art prekäre Zweitbesetzung um den ganzen Globus jetten, um sich immer wieder als Zweitbesetzung bereit zu halten. Manchmal gibt sie in Falk Richters «For the Disconnected Child» Kostproben ihres Könnens, indem sie dann auch Arien aus «Eugen Onegin» singt.
Tatjana versucht, mit ihrer Mutter zu telefonieren, aber «die Verbindung ist so schlecht». So heißt es immer wieder.
Offensichtlich eine Metapher für das schon im Titel des Stücks anklingende Motiv des Problems der «Connection». Telefon-Verbindung als Bild für Verbindung ist natürlich, sagen wir, etwas dürftig. Vor allem dann, wenn man sich zu allerlei Gegenwartsdiagnosen aufschwingen will und den hier geschilderten Liebeskummer der geschiedenen Akademikerin, die weder persönlich im Internet noch über digitale Partnervermittlung den Richtigen findet, zur Gesellschaftskritik updaten will. Dann muss das Problem zwischen Mutter und Tocher schon über Skype zustande kommen.
Damit wäre das Niveau ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Diedrich Diederichsen
Zwölf Tage Theater, Podiumsdiskussionen und Kolloquien, Konzerte im kalten hannoverschen Nieselregen und ein Catering-Zelt im Festivalzentrum, das mitten im Hochsommer Punsch im Angebot hatte. Das waren die Theaterformen, das kleine, feine, niedersächsische Theaterfestival, das im jährlichen Wechsel mal in Hannover, mal in Braunschweig stattfindet.
Anja Dirks, die...
Die Dresdner Staatssicherheit verfolgte zweifelsfrei auch originelle Projekte. Mitte der achtziger Jahre arbeitete sie zum Beispiel hart daran, die Trainerbank des lokalen Fußballklubs SG Dynamo Dresden zu verwanzen: ein Unterfangen, das auf den letzten Metern an technischen Details scheiterte – was man vom munteren Schriftverkehr diverser Sportfunktionäre mit dem...
Der Mann kommt hier nicht mehr lebendig raus – das Bühnenbild von Beate Zoff lässt da keinen Zweifel. Mächtige graue Steinwände ragen drohend im hinteren Teil der Bühne empor und zeigen so, dass der Titelheld des Stückes «Der Kaufmann von Stuttgart» schon zu Beginn des Abends ein Gefangener ist. Der Bühnenboden ist ein großer Davidstern, der auf die jüdische...
