Emotionaler Hardrock
Nächste Saison geht Jörg Pohl nach Hamburg. Weg von Zürich. Leider. Denn selten trifft man in einem Theater auf einen jungen Schauspieler wie ihn, von dem man bei der ersten Begegnung denkt: «Klar, hochbegabt», und bei der zweiten: «Hm, vielleicht sogar genial?», und bei der dritten: «Okay, zweifellos genial.» Einen, dem man gerne noch jahrelang zuschauen möchte, beim Wachsen, beim Älterwerden, beim Zweifeln, vielleicht auch ausnahmsweise einmal beim Scheitern – und immer wieder beim Brillieren.
Jörg Pohl ist einer, der die schwierigsten Rollen mit einer intelligenten Leichtigkeit in unerwartete Höhen stemmt. «Richtig Arbeit ist es für mich eigentlich nicht. Das ist ja ein großer Genuss, eine Lust und ein Privileg», sagt er dazu, «aus Texten werden Menschen, das ist ein total schizophrener und wunderbarer Vorgang, überraschend und absurd.»
Exzessive Borderliner: Dostojewskis Idiot und Burgess’ Alex
Stimmt. Denn da war Jörg Pohl in der letzten Saison als Alex in «Clockwork Orange» nach Anthony Burgess (Regie David Bösch) und als kindlicher Fürst Myschkin aus «Der Idiot» von Dostojewski (Regie Alvis Hermanis), zwei riesige, ungeheuer textlastige Rollen, die er mit einer ...
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Vielleicht zur Abwechslung mal wieder ein gutes Buch lesen? Oder ein Abend im Theater?
Der Weltreisende ist ungnädig mit den Künsten. Im Theater habe er sich stets gelangweilt, teilt er dem Mathematikgenie mit. Ganz richtig, ruft Gauß, und Humboldt mäkelt weiter. Jetzt über Romane, die sich in Lügenmärchen verlören, weil der Verfasser seine Flausen an die Namen geschichtlicher Personen binde.
Wir befinden uns auf Seite 221 und damit im letzten Drittel...
Franz Wille Herr Hofmann, Sie kuratieren das renommierte Festival «Politik im Freien Theater», das im November in Köln stattfindet. Das fordert zwei Fragen heraus: Was ist Freies Theater, und was ist politisches Theater?
Rainer Hofmann Das versuchen wir herauszu-finden. Von den vier Worten «Politik im Freien Theater» weiß ich nur, was «im» heißt. Zu allem anderen...
