Ein Wald voll Grauen
Denn Kunst und Sinnen hat Schmerzen / Gekostet von Anbeginn.» Kann ich noch auswendig, von früher. Steht in einem Turmgedicht, von Hölderlin. Die Kunst von gestern heißt ja heute Kunstkunst, so wie man Tanztanz sagt, wenn man über Tanz mit synchronen Bewegungen sprechen will, über Tanztheater, Ballett oder sonstwas Virtuoses. In meiner Erinnerung opferte man sich für die Kunstkunst noch vorbehaltlos auf, leidenschaftlich und lückenlos.
Stellte das eigene Leben, Empfinden, Bedürfen, mitunter sogar die eigene Würde hintan und in den Dienst der Sache, der Kunst, des Kunstkünstlers (oder weit seltener: der Kunstkünstlerin). Privat war bourgeois, intim wurde es vor allem vor allen anderen, und bestenfalls ging’s an Eingemachte. So peinvoll, demütigend und finster war es noch bis Ende des 20. Jahrhunderts. Auf Einzelschicksale konnte da beileibe keine Rücksicht genommen werden.
Als ich vor einigen Jahren Intendant wurde, waren solche Zeiten freilich längst vorbei – zumindest in fortschrittlichen Institutionen wie dem Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt, wo ich arbeite. Ich erhielt Bewerbungen, in denen oft schon im ersten Absatz auf die Relevanz einer angemessenen Work-Life-Balance ...
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Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 10
von Matthias Pees
Theater heute Ein zehnstündiges Antiken-Großprojekt wie «Dionysos Stadt» ist für ein Stadttheater nicht gerade üblich. Peter Stein hat es 1980 mit der «Orestie» an der Berliner Schaubühne einmal unternommen, aber die Schaubühne war damals auch kein übliches Stadttheater. Wie ist diese im besten Sinn wahnwitzige Idee überhaupt entstanden?
Christopher Rüping Die...
1815 bricht auf der indonesischen Insel Sumbawa der Stratovulkan Tambora aus. Mit einer so gewaltigen Intensität kehrt die Erde ihr Innerstes nach außen, dass das ausgestoßene Material zu weitreichenden Wetterveränderungen in Nordamerika und Europa führt. Die vulkanische Asche verdunkelt den Himmel, und das Jahr 1816 geht als «Jahr ohne Sommer» in die Geschichte...
Popeye, der Seemann, raucht Pfeife, ist tätowiert und hat mehr Kinn als Gesicht. Dank des Spinats aus der Dose wachsen ihm Muskeln, von denen selbst die fleißigsten Bodybuilder in den Fitnesstempeln nur zu träumen wagen – Popeye, das ist geballte Männlichkeit pur. Seit 1929 macht er die Weltmeere sicher, rettet seine Olivia oder kämpft gegen «Japanazis». In Sivan...
