Ein großes Ego
Die Nazis wussten, was sie an Gerhart Hauptmann hatten: einen von allen Bevölkerungsschichten als moralische Autorität und Gewissen der Nation geschätzten Dramatiker, der eine Erfolgsgeschichte vom einfachen schlesischen Gastwirtsohn zum Seher und Priester, vom Monumentalbildhauer zum Großschriftsteller und Wiedergänger Goethes vorzuweisen hatte und dem der Malerfreund Leo König nach dem Kapp-Putsch am 17. März 1920 ernsthaft zur Reichspräsidentschaftskandidatur geraten hatte, um Deutschland mit einem «Willen zur Geistigkeit gegenüber dem Militarismus» zu durchtränken.
Dieser Vorschlag schmeichelte Gerhart Hauptmann, für Stunden jedenfalls machte er eine neue Person aus ihm, «die ich anders nie kennengelernt hätte». Auch an der Vorstellung, ein «Napoléon de la Paix» zu werden, weidete er sich nur zu gern, weil er wie kein anderer das deutsche Schicksal in sich verkörpert sah. Allein er scheute die unvermeidlichen «Meinungskämpfe» des politischen Alltags, «denen meine Person preiszugeben ich mich nicht entschließen kann». Nur als Dichter und unersättlicher Figurenerfinder fühlte er sich auf gesichertem Boden. Mit selbstbewusster Lebenslust verstand er es nämlich, immer wieder neue ...
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Theater heute März 2013
Rubrik: Magazin: Biografie, Seite 58
von Klaus Völker
Bei allen Krisen, die das Hamburger Schauspielhaus regelmäßig (und derzeit besonders intensiv) durchmachen muss, kann man sich doch auf eines verlassen: Egal, wie schlimm es zugeht, die Verschränkung des größten deutschen Sprechtheaters mit dem hanseatischen Popkultur-Untergrund funktioniert zuverlässig. Entsprechend scheint die Dramatisierung von Tino Hanekamps...
Zuletzt hatte er viele Jahre lang einen Parkplatz über dem Kopf. Dabei war sein letzter Satz laut Shakespeare «Ein Königreich für ein Pferd». Selbst für Freunde des englischen Humors geht das ein bisschen weit.
Richard III. ist nicht nur der berühmteste Königsschurke des elisabethanischen Theaters, er hatte auch ein reales Vorleben. In Sachen Kriegshandwerk hielt...
Am Schauspiel Köln hat es die schöne Helena in die Untiefen der TV-Unterhaltung verschlagen. Es läuft beinharter Nachmittagstalk, Thema: «Ich Opfer». Der Zankapfel des Trojanischen Krieges – Helena war Paris ja mehr oder weniger freiwillig, aber definitiv ehebrechend nach Troja gefolgt, was ihren Gatten Menelaos zum Feldzug veranlasste – treibt die ortsansässigen...
