Eier auf Glatzen
Formbewusst in der Arbeit, analytisch scharf im Denken – das sind so Markenzeichen der Regisseurin Thirza Bruncken. Hartnäckiges Pusseln in den Unterschichten des Textes, Insistieren auf der pointierten Gestalt. Hier in Weimar, konfrontiert mit dem betulichen Familienschwank des gerade zwanzigjährigen Goethe, muss ihr die Entschlossenheit zur strengen Form allerdings ziemlich aus den Fugen geraten sein. Allerdings bleibt ihr Misstrauen gegen das Harmoniebedürfnis der kleinen Leute – also das unsrige – radikal.
Diesen ganzen Psycho-Müll, den die dreiköpfige Wirtsfamilie nach jedem Krach eilfertig unter den Teppich zu kehren gewillt ist, wird ihr zum brauchbaren Stoff für die Farce. Schließlich hat Goethe schon in jungen Jahren sein Interesse für die aus Italien herüber schwappende Commedia dell’arte zu Protokoll gegeben, samt karnevalesker und grotesker Elemente. Und in diesem zweiten von insgesamt drei Versuchen, der Story habhaft zu werden, hält er das chaotische Gemütsleben der Figuren mit jambischem Versmaß fein unter Verschluss. Da ist archäologischer Spürsinn gefragt.
In der eher dürftigen Absteige «Zum schwarzen Bären» – Robert Ebelings aufwändig-rustikales Holzmobiliar nimmt ...
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Der Name klingt holprig und ist zudem schief. «Bühnenbild» – eines jener deutschen Doppelworte, das zwei Begriffe, die nicht so recht zusammenpassen, schamlos hintereinanderhängt in der Hoffnung, dass die dadurch erreichte Verwirrung ausreicht, von unangenehmen Nachfragen abzuhalten. Mit Bildern jedenfalls hat das, was auf den interessanteren deutschen Bühnen neben...
Geister machen gewöhnlich nachts auf sich aufmerksam. Klopfgeräusche aus dem Schrank oder Geheul im westlichen Flügel sind immer ein Hinweis darauf, dass in der Vergangenheit noch eine Angelegenheit offen ist. Man kann damit locker umgehen und das Gespenst zu dem Familienmitglied erklären, das es meistens ohnehin ist. Oder man kann sich fürchten, dann gehört die...
Von Jovan Sterija Popovic (1806–1856) heißt es, er sei der serbische Nestroy. Seine bitter-ätzende Komödie «Die Patrioten» zeigt ein Häuflein untereinander zerstrittener Kleinbürger, von denen jeder den anderen für einen schlechten Patrioten hält, während es um Posten und Pfründe geht. Sterija muss nicht neu entdeckt werden, aber er hat gerade ein Doppeljubiläum...
