Dresden: Die Zweitverwertungs-Problematik
Der Regisseur, ein Wiedergänger von Woody Allens erfolglosem 80er-Jahre-Künstleragenten Danny Rose, ist stinksauer. Er hat herausgefunden, dass die nichtsnutzigen Schauspieler, mit denen er hier seit Wochen ein ernst zu nehmendes Bühnenwerk zu kreieren versucht, hinter seinem Rücken Filme drehen – mit seinem Assistenten, in seinem Bühnenbild.
Eine gängige Praxis, wie die Akteure im Kleinen Haus des Dresdner Staatsschauspiels in den kommenden 65 Minuten nicht müde werden zu versichern, während sie – dauerverfolgt von Kamerafrauen und Mikrofonträgern – auf Janina Audicks Filmset-Bühne permanent von links nach rechts wuseln und wieder zurück. «Die bleierne Zeit» von Margarethe von Trotta wurde während der Proben zu ‹Drei Schwestern› von Peter Stein gedreht», ruft zum Beispiel ein Filmteammitglied streberhaft hinter einem mobilen Kulissenelement hervor.
Überraschenderweise steigt der öffentlich bekennende Endlos-Recycler René Pollesch bei seinem sächsischen Regiedebüt – einem Sonderprojekt zur 100. Spielzeit des Dresdner Theaters – mit der «Broadway-Danny-Rose»-Story derart konkret ins künstlerische Zweitverwertungssujet ein, dass man fast von einer stringenten Rahmenhandlung zu ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Christine Wahl
Und plötzlich ist da eine, die leuchtet. Ein Stern. Kein Star, aber ein Stern. Ein Star hat diese Aura einer irgendwie absonderlichen Besonderheit, einen Tick, einen Spleen, eine Masche, die ihn sofort wiedererkennbar macht, ein Markenzeichen oder auch nur eine Marketing-Strategie. Ein Stern ist lauter. Nicht lauter im Sinn von mehr als laut, obwohl auch er sich...
Weil man nicht damit rechnet, will man es zunächst nicht wahrhaben. Nur eine gewisse Irritation stellt sich sofort ein: Die Stimmen klingen ein wenig zu laut, wie mit Mikroport, und die ohnehin sparsamen Bewegungen passen nicht immer zum Atemrhythmus der Sätze, bis sich allmählich die Frage ins Hirn drängt: Spricht da überhaupt wer? Am Ende vergewissert man sich...
Das hat schon was: Wie sich der Kameramann mit einer weichen Pirouette vom Bett wegdreht und mit ein paar fliegenden Schritten in den Nebenraum eilt, um dort gerade rechtzeitig – Schnitt – die Heldin ins nächste präzis ausgeleuchtete Close-up zu setzen. Diese Tänzchen der Technik gehören auch zum Genuss eines Katie-Mitchell-Abends; diese kleinen, unwillkürlichen...
