Dramaturgie: Politikaufstellung mit Base-Cap

Unter dem Titel «Was tun. Politisches Handeln jetzt» feierte die Dramaturgische Gesellschaft ihr 60-jähriges Jubiläum im Deutschen Theater Berlin

Theater heute - Logo

Dass das Theater bei seinem Besuch im Deutschen Bundestag vor «spielerischen Versuchsanordnungen» nicht zurückschrecken würde, war zu befürchten. «Ich bitte Sie jetzt – ohne lange zu überlegen – ihren politischen Standort zu bestimmen», leitet die freundliche Dramaturginnen-Stimme eine Gruppe von gut 150 Menschen im SPD-Fraktionssaal bei der «Aufwärmübung» an. Gehorsam, wenn auch ein wenig irritiert, bewegt sich die Menge ins linke Raumspektrum.

Zwischen einzelnen Anzugträgern des politischen Establishments, sichtlich um Haltung bemüht, leuchten farbenfroh die DramaturgInnen-Köpfe, die sich aus Distinktionsgründen mit quietschorangenen Base-Caps verkleidet hatten. Spielfreude pur.

Links oder rechts im Raum

Mit «Was tun. Politisches Handeln jetzt» hatte sich die Dramaturgische Gesellschaft bei ihrer Jahreskonferenz Ende Januar sicherlich keine leichte Aufgabe gestellt. Das obligatorische Frage­zeichen, das die literarische Tradition des politischen Schreibens von Tschernyschewski und Lenin bis zuletzt Milo Rau im Titel begleitet, hatte man mutig gestrichen: Vorerst schien das Tun also außer Frage zu stehen. Ein ähnlich progressives Sendungsbewusstsein klang beim Titel der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2016
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Anja Quickert

Weitere Beiträge
Ein lauter, galliger Witz

Die Anforderungen sind durchaus abschreckend. Ein Master-Studienabschluss sei für eine diplomatische Karriere Pflicht, singt Anne Tismer. Außerdem perfekte Kenntnisse in Französisch und Englisch. Die Bereitschaft, alle drei Jahre umzuziehen. Und so weiter, puh. Tismer singt, Gotta Depri trommelt. Und dann grinst er: Den ganzen Text habe sie ja wohl fleißig auf...

Nürnberg: Rechter Spaßprediger

Viele der besonders geistlosen Sprüche und Sentenzen, die man auf Kundgebungen der AfD und bei Volksversammlungen von Pegida hört, erinnern fatal an das Vokabular, das in Deutschland nach 1933 in vieler Munde war. «Lügenpresse», «Überfremdung» oder auch «Schmarotzer», angewandt auf Flüchtlinge, die derzeit hier Sicherheit suchen, sind Wörter, die Adolf Hitler in...

Migration und Hintergründe

Ziemliches Pech für Amir Kapoor. Gerade noch ein aufstrebender Staranwalt in New York, der sich 600-Dollar-Hemden kauft und seine Mitarbeiter auch am Wochenende zusammenfaltet, wenn sie nicht sofort zurückrufen, doch keine drei Szenen weiter liegen Karriere und Privates in Trümmern. Job weg, Frau weg, Wohnung weg. Und alles nur, weil er seinem Neffen Hussein einen...