Dortmund/Köln: Abbau überall
Was ist Donald Trump? Ein Performer? Der amerikanische Monologist Mike Daisey jedenfalls sieht eine Verwandtschaft zwischen sich als Performer und dem amerikanischen Präsidenten. Deshalb hat er schon zu Trumps Kandidatenzeit einen Text geschrieben, der seine Recherche-Ergebnisse über Biografie und Umfeld Trumps zusammenfasst. Das Dortmunder Schauspiel hat schnell reagiert, eine Übersetzung angefertigt und daraus einen deutschen Theaterabend gemacht. Aus dem «Performer» Trump wird in der Version der Dramaturgin Anne-Kathrin Schulz ein «Akteur».
Er ist ja leider beides: Selbstdarsteller und Handelnder. Ansonsten kürzt die Dortmunder Fassung, passt aber wenig an deutsche Verhältnisse an.
Um aus dem Monolog des Sit-Down-Comedians Daisey ein Theaterstück zu machen, wählt die Inszenierung von Marcus Lobbes zwei Mittel: zum einen den Raum. Kein Theatersaal ist in der Dortmunder Ausweichspielstätte Megastore nachgebaut, sondern eine Wahlparty. Man steht an Tischen, es gibt Salzstangen, Luftballons und amerikanische Fähnchen. Auf der Bühne ein Abbild des Weißen Hauses. Dieser Raum spielt mit, ebenso wie das Publikum. Die beiden Schauspieler (Bettina Lieder und Andreas Beck) verwickeln ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2017
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Gerhard Preußer
Am 29. Mai projiziert «The Sun» in riesigen Lettern triumphierend in Richtung Kontinent auf Dovers weiße Felsen «Dover & Out». Die Regierung in Westminster überlegt, «as a clear statement that Britain is back», die Reisepassfarbe vom jahrelangen Burgunderrot zurück zum britischen Blau zu ändern. Der «Guardian» entdeckt einen allgemeinen insularen...
Auch nach hundert Jahren läuft Tschechows dramatische Familienlimousine «Drei Schwestern» noch einwandfrei auf vielen Bühnen. Trotzdem zeigt Simon Stone, dass es nicht schadet, das Dialogmaterial generalzuüberholen oder auch gleich gänzlich auszutauschen – bei gleichzeitiger Erhaltung der Karosserie. So kommt es auf der Bühne des Basler Theaters zu kleinen...
Erzählt wird vom Ende her. Titelheld Liliom rammt sich gleich im ersten Bild ein Messer in die Brust und verblutet vor dem Eisernen Vorhang, aus dem sich ein Stahlgerippe in die verschnörkelte Neorenaissance-Architektur des Mecklenburgischen Staatstheaters schiebt. Ein Hamsterrad vielleicht, das einen nicht mehr loslässt, wie schnell man auch rennen mag. Oder ein...
