Dortmund: Gemischtwarenladen der letzten Dinge
Verschwenderisch zischt die Ursuppe aus der Nebelmaschine, unheilvoll dröhnen die Bässe, tuten die Hörner. In archaisches Theaterdampfen ist die Bühne gehüllt, der Anbeginn der Welt, der Nebel des Unwissens, aus dessen Untiefen auf der Drehbühne langsam Gestalten anfahren, erst eine, dann zwei, dann mehr. Sie tragen weiße Kleidchen und kahle Köpfe, wie gleichgeschaltete Sektenmitglieder tanzen sie mit ausgestreckten Armen um eine Orgel, die langsam von der Decke schwebt: eine Götzenanbetung der Kunst, die nun einmal wie Gott nicht für jeden erreichbar ist.
Und dann durchkreuzt ein schwarzgefederter Oberguru die Feierlichkeit, als er mit großer Machogeste endlich schafft, das Instrument zu spielen. Womöglich stellt sich Regisseur Arnarsson hier selbstironisch selber dar: der Künstler als autoritärer Behauptungsgott. Großkünstlerambitionen kann man dem designierten Schauspieldirektor der Berliner Volksbühne gewiss nicht absprechen.
Gefühlte zwanzig Minuten dauert die still-bombastische Schöpfungserzählung, bevor die Textmischung beginnt: Nach und nach werden einzelne Schauspieler an die Rampe gedreht und geben Kostproben dessen, was sich aus der Biografiearbeit mit rund hundert ...
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Theater heute August/September 2019
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Dorothea Marcus
Es muss ein prächtiges Beerdigungswetter geherrscht haben im Februar 1948, als Karl Valentin bestattet wurde: «Als wir fortgingen, erlaubte der Dahingegangene uns zuletzt doch auch noch ein stilles Lächeln – darüber, dass er im Fasching, am Rosenmontag gestorben war und an einem Aschermittwoch begraben worden war, an dem es aus einem filzig-grauen Himmel auf die...
Ich habe jetzt drei junge, unterdrückte, handlungsunfähige Frauen in einer Spielzeit gespielt, role models sind das nicht gerade.» Cennet Rüya Voß lacht. In Düsseldorf hat der Klassiker-Kanon mit voller Wucht zugeschlagen. Mit der 27-jährigen, 1,56 Meter großen Schauspielerin hat er allerdings eine Sparringspartnerin erwischt, die weiß, wie sie Contra gibt. Wer Voß...
Natürlich sind die Themen, die das Theater seit geraumer Zeit neben seinem künstlerischen und literarischen Auftrag so heftig umtreiben und aufreiben, auch längst beim und im Bühnenverein angekommen. Auf den geduldigen Papieren, die am Ende der letzten Jahrestagung in Nürnberg verteilt wurden, wimmelte es denn auch nur so von ehrlichen Absichtserklärungen, mutigen...
