Die wesentlichen Dinge
Aus Theatersicht lässt sich die Berlinale 2018 als voller Erfolg verbuchen. Ausgewiesene Bühnenschauspieler haben – so die zentrale Botschaft vom hauptstädtischen Cineasten-Festival – absolute Hochkonjunktur im deutschen Film; dicht gefolgt von dramatisch komplexitätssteigernden Philosophen. Denn von wegen Jura, Ingenieurswesen, Wirtschaft: Die Trendstreber des Kino-Jahrgangs 2018 studieren die Wissenschaft vom Denken! Auch, wenn man es ihnen nicht immer auf den ersten Blick ansieht.
Dabei entdecken sie unisono einen Theoretiker, den das Theaterbusiness schon seit Jahrzehnten abfeiert, wenn auch mit überwiegendem Akzent auf der ersten Silbe. Nämlich den – um es stellvertretend mit Thomas Bernhards «Alten Meistern» zu sagen – «Voralpenschwachdenker» und «nationalsozialistischen Pumphosenspießer» Martin Heidegger.
Gleich in zwei Filmen mit deutscher Stadttheaterschauspieler-Beteiligung – in Philip Grönings Wettbewerbsbeitrag «Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot» sowie in Ben Brummers «Feierabendbier» aus der Nachwuchssektion «Perspektive Deutsches Kino» – gehen neben dem besagten After-Work-Gebräu bedeutungsschwere Ontologismen über den Tresen. Wobei – noch mal die «Alten ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Berlinale, Seite 30
von Christine Wahl
Es ist eine malerische Altstadtkulisse mit Burg, Stadtmauer, Türmen, doch gleichzeitig ein Ort, wo die AfD bei der Bundestagswahl 32,8 Prozent bekommen hat – inklusive Direktmandat. Die Senfstadt Bautzen hat zuletzt eher mit brauner Suppe als mit neuen Senfsorten Schlagzeilen gemacht: Da waren die Auseinandersetzungen zwischen rechten Jugendlichen und Geflüchteten...
Ich traf ihn – Wilfried Minks – in Berlin, wenige Tage vor der Premiere zu Hochhuths «Soldaten», er machte dort das Bühnenbild. Man hatte munkeln gehört, dass der Autor nicht gerade entzückt gewesen sei, als er bei den Proben zum ersten Mal Minks’ Bühne sah, er hatte sich, man kann das auf vielen Seiten Szenen-Beschreibung in der Buchausgabe nachlesen, alles viel...
Es ist eine sympathische Geste der Residenztheaterleitung, für diejenigen, die sich von den zeitgeist-geschliffenen well-made Plays im Spielplan nicht so recht angesprochen fühlen, eine gegenläufige Programmseitenlinie zu verfolgen, die mit offenem Blick von außen und ganz unterschiedlichen, häufig osteuropäischen Regiehandschriften eigene Akzente setzt und dabei...
