Die Voodoo-Party
Die zahlreichen Begegnungen mit den jeweils neuen Profilen des schwedischen Dramatikers Lars Norén hatten fast den Schock vergessen lassen, der auch viele deutsche Bühnen erfasste beim ersten Blick auf die Fantasien in Noréns Theater der Psychopathologie.
«Nachtwache» war ein Teil davon – im Rückblick und mit dem Abstand von gut zwanzig Jahren interessiert natürlich heute weder die Frage nach den autobiografischen Untiefen und Abgründen in dieser Geschichte um zwei Brüder, die sich samt Ehefrauen um Urne und Asche der gerade verstorbenen Mutter versammeln in einer Nacht der aufgerissenen Herzen, noch die literarhistorische Bindung an die Vorbilder, Strindbergs «Totentanz» etwa oder die extrem haltbare Broadway-Zimmerschlacht «Wer hat Angst vor Virginia Woolf?» von Edward Albee. Als überwältigend stark und äußerst schmerzhaft erweist sich Noréns «Nachtwache» gerade in diesen Zeiten wieder (und in der Inszenierung von Heiko Senst für das «Junge Theater» in Bremen) mit der drastisch gestellten Forscherfrage nach der kollektiven Haltlosigkeit, die hier offenbar zwei fatal verschlungene Partnerschaften in der Nah-Erfahrung des Todes zum Furioso aus Hass und Nicht-Verstehen treibt. Wo ...
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Ekkehard Schall, der fünfundsiebzigjährig in Buckow bei Berlin starb, hat während der gut 40 Jahre (1952–1995), die er am Berliner Ensemble verbrachte, viele große Brecht-Rollen gespielt: den tollkopfigen Sohn Eilif der Mutter Courage (auch im Film von 1958), den Gangster Ui, der aus der brütenden Verklemmtheit durch fanatisierende Autosuggestion sich ins...
Fritz hat Christine an die Wand gedrückt. Rums. Keuchend küsst er sie hysterisch ab, klebt sich an ihren Körper, der wie leblos alles über sich ergehen lässt. Wild wirft er ihre Arme nach oben über ihren Kopf, doch statt in rasende Verzückung zu verfallen, lässt sie ihre Arme teilnahmslos und schlaff einfach wieder an ihrem Körper nach unten sinken. Fast schon...
Der Rhythmus stimmt in diesem Film. Der Sound auch und die Richtung sowieso: Existenzfragen und sozialer wie mentaler Überlebenskampf sind nun mal die Themen dieser Tage (keine Ironie!). Was Gorkis naturalistisches «Nachtasyl» natürlich nicht zum Nachbarschaftsdrama macht, und der Filmregisseur und Drehbuchautor Hardi Sturm, der den Stoff in deutsch-französischer...
