Die Verwandlung
Wenn es schon kein anderer macht, muss man es eben selber tun: Die Dramaturgie des Berliner Ensembles, allen voran Peymann-Lebensgefährtin Jutta Ferbers, hat ihrem scheidenden Direktor ein Buch spendiert: «Claus Peymann – Mord und Totschlag». Hermann Beil zitiert im Vorwort Thomas Bernhards Theatermacher Bruscon – «Lebenslängliche Theaterkerkerhaft / ohne die geringste Begnadigungsmöglichkeit» –, um das Phänomen Peymann angemessen ins Kunstschicksalhafte zu erhöhen: Sein Leben sei Theater, und das Theater sein Leben.
Herausgekommen ist ein «Theaterlebensbuch», hauptsächlich aus Peymann-O-Ton in Interviews, Reden, Aufsätzen, aber auch zugewandten Zuschriften, gerne von Autoren, die in zierlichen Episteln ihre neuen Werke dem «Großfürst der Schnürböden» (Thomas Bernhard) zu Füßen legen.
Chronologisch geordnet geht es von Bremen (Schultheater) über Hamburg, Göttingen und Erlangen (Studententheater) an seine erste größere Geniestation im Frankfurter Theater am Turm, wo er sich mit Peter Handkes «Publikumsbeschimpfung» in einen ersten folgenreichen Theaterskandal verstrickt. Im Porträt von Wolfgang Ignee präsentiert er sich als undogmatisch skeptischer Zeitgenosse, der zwar zu dezent ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Franz Wille
Becketts «Enspiel» ist ein solider Oldtimer der Gott-ist-tot-Dramatik: Kein Sinn nirgends unter der Weltzirkuskuppel, nur leerlaufende Rituale, die einen Tag füllen, der jederzeit der letzte sein kann. Zwei höchst allgemeine Menschheitssymbolträger aus Herr (Hamm) und Knecht (Clov) stützen sich in ihren komplementären Behinderungen von Nichtsehen- und...
Noch vor dem geschlossenen Vorhang, hell ist er mit dunkler Rückseite, kniet sie vorn an der Rampe und knallt mit regelmäßig dumpfen Schlägen die Stirn auf den Boden. Antigone, dramatisches Urbild alles Widerständigen gegen die Staatsgewalt, hat aus heutiger Sicht durchaus Potenzial zu einer Kamikaze-Fundamentalistin – besessen von der Vorstellung, Recht zu haben,...
Tschechoslowakei, Sommer 1968. «Why don’t we do it in the road?», röhrt Paul McCartney in schönster Rotzrockerlaune in den Birkenwaldprospekt im Konstanzer Theater. Berechtigte Frage. Warum tun sie’s nicht einfach vor allen Leuten, dieser Landarztvagabund, die Stadtschickse, die Dorflolita oder dieses Triebkomplexpaket, nach dem das Stück benannt ist? Nun, sie tun...
