Die verschworene Truppe
Je länger ich über dieses schöne französische Wort Ensemble nachdenke und vor allem darüber, was es meint, umso unwirklicher wird es für mich. Ich habe mehr Fragen als Antworten.
Gab es je schon einmal wirklich ein Ensemble? Ist Ensemble überhaupt möglich? Oder ist es ein Sehnsuchtsbegriff, ein Unerreichbarkeitswort, wie Freiheit, Glück, Frieden?
Ich habe in meinem bisherigen Leben zu mehreren sogenannten Ensembles gehört, zu dem des Staatstheaters Schwerin (25 D/H) als Schauspieler, zu dem des Deutschen Theaters Berlin als Schauspieler (40 D/H) und Regisseur, habe einige Jahre das des Rheinischen Theaters Neuss (15 D/H) als Oberspielleiter geleitet, sowie das der Neuen Bühne Senftenberg (18 D/H) als Intendant. In Rostock am Volkstheater leite ich als Intendant erstmalig vier künstlerische Ensembles (130 D/H) (im Aufbau befinden sich noch Bürgerbühne und Figurentheater).
Eigentlich empfinde ich gerade als Intendant eines Mehr-Sparten-Theaters die komplette Belegschaft als ein zu verantwortendes, zu entwickelndes und zu verteidigendes Ensemble – und mich als dessen Teil.
Geht es aber wirklich, Gleicher unter Gleichen zu sein, wenn es Gleichere gibt? Der Begriff Ensemble erscheint ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 71
von Sewan Latchinian
Eine Freundin von mir ist einmal versehentlich ins Burgtheater gegangen. Sie hatte es mit dem Akademietheater verwechselt, und weil der Irrtum auch dem Billeteur nicht aufgefallen war, saß sie zwar auf dem richtigen Platz, aber im falschen Theater. Es dauerte ein paar Minuten, bis ihr dämmerte, dass da irgendwas nicht stimmte. Irgendwann fasste sie sich ein Herz...
Volk vorbei» ihre Entscheidungen. Vielleicht erinnern sich einige ja auch an die ab Anfang Oktober 1989 allabendlich verlesene und unter den damaligen Umständen wirklich spektakulär mutige Forderung aus der Resolution des Dresdner Staatsschauspiels, «dass Lüge und Schönfärberei aus unseren Medien verschwinden» müssen, wenn sie Anfang 2015 bei Pegida «Lügenpresse»...
Ein ideales Ensemble wäre wie die perfekte Ehe: Ohne Eitelkeiten und übertriebene Ansprüche, hingebungsvoll und mit Leidenschaft bei der Sache, loyal und fürsorglich, vertraut und freundschaftlich, bis dass der Tod sie scheidet. Es wäre ein Ensemble, das keine Drehtage einfordert oder Urlaubsscheine einreicht, das sich nicht über Doppelvorstellungen oder...
