Die Unbestechliche
Es ist riskant, als Regisseur über Schauspieler zu schreiben, mit denen man gerne weiter arbeiten möchte. Das soll schon zu Trennungen geführt haben. Andererseits ist die Gefahr groß, dass das Geschriebene leicht austauschbar wirkt, so wie jeder noch so persönlich gemeinte Liebesbrief letztlich verwechselbar klingt. Und einem Menschen wie Jana Schulz, der sich in einer solchen schonungslosen Unbedingtheit auf der Bühne zeigt, wird man mit gängigen Beschreibungen, die einem so einfallen, nicht gerecht. Jana sprengt alle herkömmlichen Kriterien, Definitionen prallen an ihr ab.
Das Sperrige, alles, was nicht in den Koffer passt, macht Jana aus.
Auf der Bühne fängt Jana da an, wo viele andere aufhören – jenseits der konkreten Lesbarkeit. Umso mehr möchte man als Zuschauer in ihren Kopf hineinsehen. Die Tatsache, dass wir niemals wissen, was unser Gegenüber wirklich denkt oder fühlt oder durchmacht, ist eine konstante Quelle von Faszination. Die Zerrissenheit und Unbegrenztheit, die sie auf der Bühne lebt, wird von allen bewundert und geliebt – vom Publikum, von Männern und Frauen gleichermaßen, von den Kollegen, selbst von Kritikern, was bei ihrer speziellen Art von Widerspenstigkeit ...
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Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die Spieler des Jahres, Seite 96
von Karin Henkel
Wer einmal Constanze Becker gegenüber gesessen und in ihre großen dunklen Augen geblickt hat, wird die Tiefgründigkeit, die Anmut und die Wahrhaftigkeit des Schauspielerberufs erahnen können. Es war kurz vor der Sommerpause 2006, als ich Constanze Becker das erste Mal begegnete. Wir saßen auf dem Vorplatz des Deutschen Theaters, ich war dort Schauspieldirektor, und...
Neue Stücke sind zwar nicht grundsätzlich besser als alte Stücke,aber ohne neue Stücke wird es in Zukunft keine besseren mehr geben. Also auch in der neuen Saison: Die neuen Lieblingsstücke der Dramaturgen!
Über nichts waren sich die Kritiker in diesem Jahr so einig wie über das Ausländische Stück des Jahres: «Three Kingdoms», Simon Stephens’ in enger Zusammenarbeit mit Sebastian Nübling entstandenes englisch-deutsch-estisches Drei-Länder-Stück zum europäischen Sexhandel mit Frauen. 18 Fans vereinte es in einem Boot, 6 mehr als das glatte Dutzend, das sich beim...
