Die Thebaner sind unter uns
Alles stimmt, alles passt: der helle, hermetisch geschlossene Raum. Die leicht und sparsam gesetzten Klänge. Das gelbe Kleid der Iokaste. Die weißen Anzüge der Männer. Der schwarz gekleidete Chor – die Kleidung postmodern, mit ein paar historischen Zitaten, einer Schnalle hier, einem Brustpanzerteil da. Requisiten? Keine, doch, zwei Wasserflaschen. Davon später.
Ödipus ist jung, sehr jung. Unbekümmert und sehr verliebt. Er sitzt auf dem Schoß seiner fraulichen Königin, zärtlich von ihr umklammert, er liegt auf ihr und tut es – eindeutig gestöhnt und doch stilisiert.
Kreon guckt freundlich zu. Nur der Chor stört. Ein schwarzer Krähenschwarm, sie stürmen nach vorn, stehen wie eine Mauer, starr, fordern die Rettung. Laien, teilweise durchaus laienhaft in Bewegung und Blick, doch hoch konzentriert, und die Sprache stimmt, der Rhythmus, die Betonung. Bürger eben, Linzer Bürger, jetzt Thebaner. Sie singen auch, kurze Tonfolgen, wenn es gar keinen Ausdruck mehr gibt, keine Worte für Angst, Entsetzen. Sie sitzen rechts und links entlang der weißen Seitenwände, sehen zu und können nichts tun als ab und zu ihren Gefühlen Laut geben. Das helle Herrschertrio, die drei vom Königshaus sind weit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Franz WilleGratulation zur Berufung nach Berlin! Nun waren mit Thomas Oberender und Michael Thalheimer zwei Intendantenaspiranten in der Konkurrenz, und einen davon, Oberender, haben Sie selbst vor zwei Jahren, als Sie in der Findungskommission waren, empfohlen. Mit Michael Thalheimer, der viel am Thalia Theater inszeniert, sind Sie sogar befreundet. Haben Sie...
Vom Basic Instinct, dem wölfischen Wesen, ist nur ein «Wauwau» geblieben – als Kosewort des einen für den anderen Ehepartner. Durch mancherlei Domestizierung gegangen, ist dieses Wauwau nicht einmal mehr die stubenreine Fassung eines Naturlautes, sondern der Refrain aus einem Chanson von Paolo Conte. «Wauwau» nennen sich nach dessen Schmachtgesang Annette und Alain...
Vorsichtig bahnen sich drei Kerzen ihren Weg durch ein Tableau aus schemenhaften Gestalten. Stimmen erklingen. Irgendwo in einem dunklen Zimmer haben Tony, Thomas und Christian Buddenbrook das Stammbuch ihrer Familie entdeckt, deren große Zeit längst im dämmrigen Zwielicht der Geschichte in Vergessenheit geraten ist. In Zeiten der Angst vor dem Abstieg...
