Die Sieger der Geschichte

Die Spuren des jüdischen Schtetl und seiner Vernichtung in den Erinnerungsräumen von Tadeusz Kantors Teatr Cricot2

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In der Rückbesinnung auf das individuelle Geschick fand Kantor 

zu seiner künstlerischen Maxime: der «Realität des niedrigsten Ranges». Von den Anfängen im Untergrundtheater während des Zweiten Weltkrieges bis zu den Schlussproben von seiner letzten Produktion «Aujourd’hui c’est mon anniversaire» hat diese Maxime sein Schaffen bestimmt. 

 

Das individuelle Leben ist in diesem künstlerischen Kosmos den Kreisläufen der Geschichte hilflos ausgeliefert. Die Zyklen der Wiederholung finden sogar mit dem Tod der Bühnenfiguren kein Ende.

Kantors Gestalten sterben – und setzen ihr Leben fort, als wäre nichts geschehen. Nicht einmal der Tod kann die Figuren aus dem gleichförmigen Einerlei ihres Lebens befreien. In der «Toten Klasse» stehen die Schüler wieder auf, nachdem sie von der Putzfrau (Stanislaw Rychlicki) mit der Todes-Sense umgebracht worden sind. Auch in «Wielopole, Wielopole» finden die Familienmitglieder kein Entkommen aus den Kreisläufen ihrer tra­gikomischen Existenz. Großmutter Katarzyna (Jan Ksiazek) will die Ebenbildpuppe des Priesters beerdigen, eine Stoffpuppe mit nachgebildetem Kopf und weißem Talar, doch nirgends findet sie dafür einen geeigneten Platz. Der Tod des ...

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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 24
von Klaus Dermutz

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