Die schöne Unübersichtlichkeit

Die 11. Prager Quadriennale der Szenografie bietet 55 Ländern Gelegenheit, im freien Spiel Tendenzen des Bühnenbilds zu präsentieren

Theater heute - Logo

Außerhalb der Fachzirkel war sie in den letzten zwanzig Jahren, zumindest hierzulande, wohl ein bisschen aus dem allgemeinen Theaterbewusstsein gerutscht, diese Olympi­ade des Bühnenbilds. Für diejenigen jedoch, die als Bühnenbildner arbeiten, blieb sie seit ihrer Gründung 1967 als einzige internationale Ausstellung dieser Art immer das, was Venedig oder Kassel für die zeitgenössische Kunst bedeuten.

Der Industrie­palast von Prag, ein originärer Jugendstilbau, vier Stationen mit der Tram aus der Altstadt über die Moldau, ist mit einer Reihe von hochrangig jurierten Auszeichnungen alle vier Jahre Pilgerort und Leistungsschau der Branche. Einar Schleef zum Beispiel war einst hell begeistert, einmal dabei sein zu dürfen. Aber was kommt da wie zusammen, hält man sich allein vor Augen, dass inzwischen 55 Länder mit völlig unterschiedlichen Theaterkulturen daran teilnehmen? Traditionell liegt die Veranstaltung in der Hand des tschechischen Theaterinstituts, das bislang thema­tische Leitlinien vorgab, die so flexibel sein mussten, dass sie keine Einschränkung der Teilnahme darstellten und doch von der Hoffnung getragen waren, allgemeine Trends in ihrer Beson­der­heit abbilden zu können.
 

 ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute August/September 2007
Rubrik: Kunst, Bühne & Videotapes, Seite 27
von Thomas Irmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Animalisches Innenleben

Der Titel hat Charme. Erst gegen Ende seines Textes gönnt Lukas Holliger den vier Mitstreitern dieser Fantasy-Party die Erkenntnis, «Pottwale … wollen werden wie wir. Kaum aus dem Wasser, realisieren die in ihren kalten Gehirnen, dass sie sich weder reibungslos in uns verwandeln können, noch, dass wir das Leben gut machen. Sie bleiben schockiert auf dem Sand liegen...

Die Selbstverausgabungsoffensive

Neulich geriet Armin Petras, den man nicht unbedingt als wortkargen Menschen kennt, auf einem Podium ins Stocken: Der Moderator hatte lässig nachgefragt, wie viele Inszenierungen er in der vergangenen Saison eigentlich herausgebracht habe. Petras dachte lange nach. Dann speku­lierte er: «Sechs? Sieben?»

Dürfte in etwa hinkommen: Mehr als siebzig...

Showmasters of the Universe

Und einmal ist doch Schluss mit lustig. Schluss mit Blindsein. Schluss mit so tun als ob. Clov reicht es. Der Diener, der eine altgediente Ehefrau ist, verliert die Nerven und die Spielcontenance und schlägt zu: Die spiegelnde Sonnenbrille fliegt Hamm vom Gesicht, und dahinter ist der Blick: der Matthes-Blick, nackt, stier, angstge-peinigt. Und der Schrei: «Lass...