Die röhrenden Kerle
Der Anfang ist ein klassisches Nübling-Gewitter. Rund 20 wildgewordene Börsianer, die im Rudel rennen und schreien und die Fäuste recken. Dazwischen die kleine Katharina Schmalenberg als Lady Macduff, die eiskalt sinkende, dann steigende Aktienkurse ausruft. Dann tritt ein ruhiger, guruhafter Duncan ins junge Gebrüll, denkt laut über seinen Nachfolger nach und erklärt die Marktwirtschaft – Siggi Schwientek macht das mit hinterhältiger Würde. Über den Köpfen der Männer, auf einer riesigen Anzeigetafel, rattern jetzt keine Zahlen mehr, sondern Buchstaben.
KING und KILL hat Bühnenbildnerin Muriel Gerstner übereinander gestellt. Macbeths Widersacher Malcolm ist zweifach besetzt: Es geht hier nicht mehr um Individuen. Nur noch um Gewinner-Strategien und Verlierer, klar, schnell, elektrisierend.
Doch dann erobert sich das Stück peu à peu wieder das alte Königsdramen-Territorium zurück, das Nübling doch so frech in eine zeitgenössische Börse übersetzen wollte. Die Deutungen schwanken von Zwischenhochs – Lady Macduffs unterkühlter Totengräber-Song zu den Zeilen von «Fair is foul and foul is fair» – zu echten Baissen. Elend lange ist da zum Beispiel der lustige Pförtner (Tim Porath) mit ...
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Der junge bosnische Autor Sasa Stanisic («Wie der Soldat das Grammofon repariert») war 2006/07 Stadtschreiber in Graz und schrieb dort sein erstes Theaterstück: Gemeinsam mit dem Regisseur Tom Kühnel und der Puppentheatermacherin Suse Wächter entwickelte Stanisic im Auftrag des Schauspielhauses ein «musikalisches Projekt». Die Handlung ist an die (wahre) Geschichte...
Allen Unkenrufen zum Trotz hängen keine Kokainpäckchen an den Zweigen des Waldes von Birnam, als der sich – Jürgen Gosch hat es in ein ebenso einfaches wie sinnfälliges Bild gefasst – auf das Schloss des finsteren Macbeth zubewegt. Was nicht heißt, dass Kolumbien das Drogen- und das Gewaltproblem bereits unter Kontrolle hätte, aber sagen wir es so: Man arbeitet...
Der Mensch ist frei, und weil er frei ist, kann er so tun, als sei er unfrei. Iwanow kann tun, was er will, und weil er das weiß, kann er nichts tun. Die Hauptfigur von Tschechows erstem abendfüllenden Stück könnte uns zeigen, wie weit es kommen kann mit uns, den allzu gründlich über sich selbst aufgeklärten Menschen. Amélie Niermeyers Inszenierung versucht das...
