Die Puppe
Der Exportschlager hieß Rumäniendeutsche; der Preis: 1.000 bis 5.640 DM pro Kopf; Geschäftspartner: Rumänien und West-Deutschland. Die offiziellen «Ausgleichszahlungen» für die Ausreise von über 220.000 Menschen an Nicolae Ceaucescus Regime (1967 bis 1989) sind im Programmheft zur Uraufführung von Gianina Cãrbunarius «Sold out» akribisch aufgelistet. Inoffiziell zahlten fast alle Aussiedler horrende Schmiergelder, oft waren sie Repressionen ausgesetzt.
Die individuellen Schicksale hinter dem «Ausverkauf» bringt die junge rumänische Dramatikerin und Regisseurin Gianina Cãrbunariu im Werkraum der Münchner Kammerspiele auf die Bühne (vgl. TH-Jahrbuch 2009). «Sold out» erzählt die fiktive Geschichte einer Familie, ein Destillat aus knapp 40 Interviews mit Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben und anderen Rumänen deutscher Abstammung.
Mit einer fröhlichen Weihnachtsfeier unterm Hitler-Bild steigt Cãrbunariu in die Geschichte ein. An diesem Heiligabend 1943 betritt Annemarie, gespielt von Hildegard Schmahl, die Bühne: eine deutsche Puppe in Tracht – das Weihnachtsgeschenk des SS-uniformierten Sohnes und Stolzes der Familie. Als denkbar unzuverlässige Erzählerin führt diese Puppe nun ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Umgebung von Lodz … macht den Eindruck eines frühkapitalistischen Heerlagers. Hinter diesem gigantischen Marketing-Fresko ist die normale Welt kaum noch zu erkennen.» So beschrieb der polnische Dramatiker Andrzej Stasiuk letzten August den merkantilen Flair der ehemaligen Textil- und Kapitalismusmetropole des 19. Jahrhunderts. Optimistisch erscheint das im...
Diesmal ist es anders. In der Nacht, in der er ihn kennen lernt, flüchtet Patrick vor Jirka – Hals über Kopf, wie sie sich vor wenigen Stunden ineinander verliebt hatten beim Yoga. Er schleicht sich aus Jirkas Bett in der Panik, dass es diesmal der Richtige ist. Noch in derselben Zürcher Winternacht betäubt sich Jirka,
der zugesehen und nur so getan hat, als...
Diese Uraufführung beginnt im Nichts. Kurz flackert das Licht im tiefschwarzen Raum auf, dann wieder Dunkelheit. Einige Zuschauer werden unruhig. Aus dem Off ertönt das Hartmann-Motto: «All we see is but a dream.» Auf der Bühne erstrahlt ein güldener Vorhang, der Heike Makatsch einrahmt. Einsam sitzt sie da und spricht als Peep-Show-Girl Jane zum Publikum, als ob...
