Die Kunst des Nicht-Beherrschens

Halb Katalog, halb Programmheft: der Band «Leben und Arbeit des Nature Theater of Oklahoma»

Theater heute - Logo

Eine Sache nicht zu beherrschen ist der Anfang der Kunst. Und nicht nur der Anfang, sondern auch das Ende und Ziel, so sieht es jedenfalls das Nature Theater of Oklahoma, das die Sache des Theaters so gut es nur geht nicht beherrscht. Das Duo (und Paar) Kelly Copper und Pavol Liska ist seit rund fünfzehn Jahren unter dem Kafkas «Der Verschollene» entlehnten Namen mit einer mal stabileren, dann wieder wechselnden Gruppe von Performern unterwegs.

Die beiden leben zwar in New York, nutzen aber vor allem die von öffentlichen Geldern Europas geschaffenen Infrastrukturen, die ihnen die halbwegs kontinuierliche Arbeit, mal an Produktionshäusern, mal an Stadt­theatern ermöglicht.

Eine deutschsprachige, aber europäische Koproduktion ist auch das soeben erschienene Buch über «Leben und Arbeit des Nature Theater of Oklahoma». Kein akademischer Band, wenngleich auch Akademiker*innen wie der Frankfurter Theaterwissenschaftler Nikolaus Müller-Schöll darin schreiben. Das Buch ist ein Zwischending, halb aus den Nähten geplatztes Programmheft, halb ausstellungsbeglei­tender Kunstkatalog. Finanziert haben ihn Theater und Produk­tionshäuser, von HAU bis Kampnagel, vom Kaaitheater in Brüssel bis zum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Büchermagazin, Seite 40
von Ekkehard Knörer

Weitere Beiträge
30 Jahre Mauerfall: Hohe Halden, lichtumwoben

«Erz des Friedens», ein Gedicht, das Werner Kunz 1972 anlässlich des 500-jährigen Bergbau-Jubiläums im Erzgebirge veröffentlichte, gehört zu den absurdesten Verklärungen, die das ideologische «Kaderwelsch» (Brecht) der DDR hervorgebracht hat, um den realsozialistischen Alltag unter ihr utopisches Weltbild zu zwingen. Es romantisiert nichts Geringeres als den...

Marianne gegen alle

Auf der Bühne vor einem projizierten Totenkopf liegen Leichensäcke neben einem frischen Kindergrab. Zwei schwarz verhüllte Gestalten machen sich an den weißen Plastikhüllen zu schaffen und murmeln: «Die Leute glauben, wenn sie sterben, wäre alles vorbei – so wär’s ja leicht, ein Mensch zu sein.» Nein, nichts ist vorbei in Karin Henkels Bochumer Inszenierung von...

Berlin: Große Erwartungen

Die heimlichen Helden des Abends sind die Saaldiener und -dienerinnen. Denn egal, was an diesem Abend auf der Bühne passiert, stets sind sie bereit, unerschrocken in den Zuschauerraum zu stürzen und ungehorsame Gäste zu ermahnen. Also die, die trotz ausdrücklichem Fotoverbot ihr Handy zücken. Schweigsam halten die fleißigen Helfer dann Tablets hoch, auf denen ein...