Die Geschichte geht weiter

Die Welt ist schlecht, aber immer noch der schönste Ort, um unglücklich zu sein: neue Stücke von Roland Schimmelpfennig, Tankred Dorst, Jan Neumann, Ewald Palmetshofer und Theresia Walser

Theater heute - Logo

Noch bevor es richtig losgeht, sind sie alle baden gegangen. Zwei Paare, zwei Kinder, zweieinhalb Generationen bundesdeutscher wochenendalkoholisierter gehobener Mittelstand sind schneller abgesoffen, als sie denken konnten. Man hatte eine kleine Bootspartie auf dem See neben der Villa unternommen, da war ihnen die alte Calypso vollgelaufen. Die griechische Göttin hatte einst Odysseus beherbergt und mit neuem Schiff versehen, doch von solchen zukunftsweisenden Gaben ist man heutzutage am wohlsituierten Seeufer weit entfernt.

Das Vermögen stammt aus einem Bürogroßhandel der Wirtschaftswunderjahre, ergänzt durch Maklergeschäfte, der Firmengründer ist eines Tages sang- und klanglos an einem Schlaganfall gestorben, und seine geschäftstüchtige Witwe Marion lebt nun mit einem durchschnittlich verachteten Liebhaber Gunter, einst ihr Angestellter aus der Materialverwaltung. Dann gibt es noch einen Sohn, ein befreundetes Arztehepaar mit Tochter, dazu mit ansteigendem Alkoholpegel die üblichen Sticheleien, über und unter der Gürtellinie. So in etwa die Verhältnisse. 

Jürgen Gosch hat Roland Schimmelpfennigs «Calypso» auf der großen Bühne des Hamburger Deutschen Schauspielhauses einen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2008
Rubrik: Neue Stücke, Seite 40
von Franz Wille

Vergriffen
Weitere Beiträge
Monster sehen anders aus

Der ältere Herr, der aus dem Bühnendunkel ganz nach vorn an die Rampe tritt, sich setzt und mit den Beinen baumelt, sieht aus, als wolle er gleich mit dem Publikum schmusen. Zutraulich lässt Jean-Pierre Cornu seinen Blick über den Zuschauerraum wandern, forscht sehnsuchtsvoll in einzelnen Gesichtern. Ein melancholisches Lächeln spielt um die bitteren Lippen, als...

Recht auf Arbeit

«Das Fest ist das Gegengift zur Leistungsgesellschaft! Seien Sie unser Gast, legen Sie den Zuschauer ab, geben Sie Ihre vom Theatersitz gefesselte Haltung auf.» Vermutlich locken solche Sätze kaum jemanden mehr als die Kritikerin, deren Arbeitsplatz genau der Theatersitz ist, auf dem sie – komme, was da wolle – präzise beobachten, gescheit analysieren und...

Striche peitschen durch das Buch

Madame Bovary ist die Frau eines Landarztes und ein Buch. Und weil es Flaubert geschrieben hat, wurde es ein unübertrefflicher Roman. Chabrol machte daraus einen recht guten Film mit Isabelle Huppert, denn die «Bovary» besteht nicht nur aus Stil, sondern auch aus Story. Diese klamme Liebesgeschichte eignet sich durchaus für ein Ballett, einen Film, ein Ölbild, was...