«Saïgon» von Caroline Guiela Nguyen mit Dan Artus, Phu Hau Nguyen und Caroline Arrouas. Foto: Jean-Louis Fernandez/Festival d'Avignon 2017
Die Ekstase, die Arien und der Rausch
Ach herrje, die Pariser!» Julien, der Taxifahrer, schüttelt den Kopf. Die junge Frau ist ihm, den Blick strikt auf dem Handy, geradewegs vor die Kühlerhaube gelaufen. Während der Festival-Wochen ist in den Straßen Avignons ohnehin kein Durchkommen, schon gar nicht mit dem Auto. Die Stadt gehört den Fußgängern und den Jongleuren, Tanzcrews, Gitarristen, Schauspielern, die mit Gratiskostproben für ihren Auftritt werben.
Wie die Heuschrecken fallen die Pariser in die Altstadt ein, behängen jede freie Ecke mit Affichen, stehen vor den Spielstätten auf der Straße, rauchen, feiern den Sommer und das Theater. Was sich im entferntesten als Bühne eignet, wird bespielt, Ruinen, aufgelassene Kirchen, Parks, über 200.000 Besucher kommen fürs Festival täglich in die Stadt, nicht wenige schauen 30 bis 40 Aufführungen während des Aufenthalts, die meisten acht oder neun, und was man ebenfalls sagen muss: Namentlich sehr viele junge Zuschauer besuchen das Festival d’Avignon, was auf eine schlaue Tarifpolitik zurückzuführen ist. Ein Viertel der Besucher in Avignon sind unter dreiundzwanzig. Wer redet da noch vom Tod des Theaters?
Die subversive Kraft der Putitude
Auf die breite Gelassenheit der ...
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Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Festivals, Seite 30
von Andreas Klaeui
Premieren im Oktober
Aalen, Theater der Stadt
7. Berg, Viel gut essen
R. Arwid Klaws
15. nach Goethe, Das Faustexperiment
R. Marko Timlin
15. Tasnádi, Cyber Cyrano
R. Jonathan Giele
Altenburg/Gera, TPT
7. Hellstenius, Elling
R. Caro Thum (Altenburg)
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
8. Cooney, Und alles auf Krankenschein
R. Urs Alexander Schleiff
15. Žanic, Hap Slap –...
Seit dem Amtsantritt des neuen Kultursenators Klaus Lederer wartete die Berliner Kulturlandschaft gespannt darauf, welche praktischen Konsequenzen das politische und verbale Bekenntnis zur Relevanz von Kultur zeitigen würde. Auch die in politischen wie medialen Zusammenhängen gemeinhin unterrepräsentierte Freie Szene durfte auf positive Veränderungen im Rahmen...
Am 27. und 28. Juni 2015 schrieb Jan Fabre Theatergeschichte. Damals brachte der belgische Allroundkünstler beim Berliner Festival Foreign Affairs die 24-stündige Performance «Mount Olympus» zur Uraufführung (TH 6 und 8-9/15), in der er fast alle griechischen Tragödien auf einmal inszenierte, um so die in die Jahre gekommene Katharsis neu zu beleben. Die...
